01.06.11 Mountain biking Mountain biking

Von: Peter Karsten

"Mini Alpencross" auf der Eifel-Höhen-Route

Unsere letzte mehrtägige Radtour (von Rothenburg o.d. Tauber nach Füssen) liegt schon eine ganze Weile hinter uns. Nun haben wir uns ein neues Projekt rausgesucht, die Eifel-Höhen-Route. Die Eifel Höhen-Route wird beschrieben mit einer abwechslungsreichen und sportlich anspruchsvollen Rundtour. Das wären ca. 230 kilometer und 2.500 höhenmeter. Wer es nicht ganz so hart mag, der wählt die alternative Rundtour, welche mit ca. 200 kilometer und knapp 2.000 höhenmeter etwas weniger anspruchsvoll ist, mindestens aber genauso reizvoll. Wem das zu wenig erscheint, der kombiniert am besten beide Varianten und gibt sich die volle Dröhnung, Möglichkeiten dafür gibt es auf dieser Rundtour reichlich.

Quelle Kartenübersicht: eifel-blicke.de

 

Der Einstieg in die Eifel-Höhen-Route ist überall individuell möglich. Aus Düsseldorf kommend wählten wir zunächst Mechernich als Einstiegspunkt, dieser wäre der nächstgelegene Punkt für unsere Anreise mit dem Auto. Nach dem wir das Höhenprofil studiert haben, entschieden wir uns aber für den Einstieg in Blankenheim. Der Eifel-Höhen-Route Flyer beschreibt  auch hier den Einstieg, so konnten wir uns besser Orientieren (Einen weiteren Flyer mit Höhenprofil und Beschreibung gibt es bei eifel-tipp.de, mit der Kombination der beiden Flyer haben wir stets gut planen können und stets einen Überblick gehabt, wo wir uns befinden und was uns noch erwartet).

 

Für die alternative Rundtour (ca. 200 km u. 2.000 hm ) haben wir 4 Tage geplant, pro Tag ca. 50 km und 500 hm, das sollte machbar sein, auch für sportlich nicht so fitte Radler. Dennoch haben wir uns keine Tagesziele gesetzt, und auch keine Unterkünfte reserviert. Das wäre uns auch fast zum Verhängnis geworden. Falls man vor hat, an einem langen Wochenende wie z.B. Christi Himmelfahrt, diese Tour in Angriff zu nehmen, kann ich nur empfehlen sich vorab um Unterkünfte zu bemühen, sonst könnte es passieren, dass man abends von Haus zu Haus zieht und um ein Bett bettelt .

Die Unterkünfte entlang der Eifel-Höhen-Route waren an dem Wochenende von Christi Himmelfahrt Mangelware, trotzdem begegneten wir den meisten Leuten nur rund um die  einschlägigen Touristen Orte, je abgelegener die Route von Bebauungsgebieten führte, desto einsamer wurde es, und der Einklang zur Natur wuchs zugleich.

Tag 1 – Blankenheim - Udenbreth

die letzten hm bei Lomersdorf
Ausblick oberhalb Lommersdorf

Nach anderthalb stündiger Anreise mit dem Auto, fanden wir etwas oberhalb von Blankenheim einen Parkplatz, wo wir den Wagen stehen lassen konnten. Geschultert mit jeweils einem Rucksack (á ca. 7 kg) , stiegen wir dann um 11:30 Uhr in die Eifel-Höhen-Route ein. Da es am Vorabend noch geregnet und gewittert hatte, war es recht frisch, die frische Mittagszeit trat schnell in den Hintergrund, als uns nach den ersten Höhenmeter schon recht warm wurde, während wir hinauf zur Mühlheimer Heide radelten.  Dort oben erwartete uns das Gewerbegebiet Am Mürel. Hier oben radelten wir vorbei an Edeka, Lidl, Aldi-Süd, ReWe und Netto . Noch bevor wir uns fragen konnten, ob man so viele Einkaufsläden nebeneinander braucht führte uns die Route abseits der Straße.  Zügig ging es bergab, durch das erste verschlafene Dörfchen: Mühlheim und weiter bis zur Mühlheimer Mühle.

 

Unsere nächste Sehenswürdigkeit würde der Freilinger See sein, doch dafür mussten wir erstmal wieder hoch radeln, laut dem Radmagazin von Eifel-Tipp.de erwartete uns hier eine Steigung von ca. 1,8 %. Hier noch nicht, aber einige Kilometer und Höhenmeter später waren wir uns einig, dass die % Angaben der Steigungen und Gefälle nicht unbedingt dem entsprechen, was uns hier erwartete, im positiven Sinne, meistens... So wird z.B. zwischen Keldenich und Urft ein Gefälle von 2,6% angegeben, tatsächlich aber gab es zwischen Keldenich und Urft noch eine Steigung, welche die Vorfreude auf die Non Stop Abfahrt nach Urft erstmal hemmt. Aber so weit sind wir noch nicht. Durch Wald und Wiesen gelangten wir auf ca. 530 m.ü.N.N.  Auf einer wenig befahrenen Landstraße vernichteten wir zügig an die 100 Meter welche uns von Freilingen trennten. Der Freilinger See lockte in der Mittagshitze mit einem kühlen Bad, wir aber konnten widerstehen und nahmen den Aufstieg nach Lommersdorf in Angriff. Die hier angegebene 2,6 % Steigung hielt sich noch in Grenzen.  Sieht wahrscheinlich jeder anders, in dem Falle aber empfand Claudia es so. Die Neuhofer Straße, gut asphaltiert und wenig befahren, führte uns hinunter nach Neuhof, zur Ahr. Der tiefste Punkt unserer heutigen Etappe. An der Ahr angelangt folgten wir der Ahr auf dem Ahr-Radweg, welcher sich bis Ahrhütte den Weg mit der Eifel-Höhen-Route teilte. Bis Ahrhütte ging es geschmeidig bergauf.

 

Wiese entlang der Grenze NRW zu Rheinland-Pfalz

In Ahrhütte verloren wir kurz die Orientierung, ein Markierungsschild der Eifel-Höhen-Route zeigte an, dass wir dem Ahr-Radweg weiter folgen sollten. Ein GPS Track, den ich für die grobe Orientierung zuvor aufs Garmin geladen hatte, zeigte in die entgegengesetzte Richtung an. Der Ahrweg würde weiter nach Blankenheim gehen, wo sich die Quelle der Ahr befindet, da sind wir gestartet, also kann die Richtung nicht stimmen. Wir ignorierten das Schild und radelten der lang gezogenen Steigung nach Dollendorf hoch (wie sich später zu Hause herausstellte war das auch der richtige Weg).

 

Eine (nicht erkundete und  wahrscheinlich schönere), Alternative zur Straße  gäbe es hier vielleicht: dem Ahr-Radweg weiter folgen bis zum Lampertsbach, bevor der Ahr-Radweg den Lampertsbach kreuzt, sich links halten, in Richtung Schlossthal, das Schlossthal läßt man links liegen und folgt dem Weg bis er wieder zum Lampertsbach führt, wo es entlang geht bis man wieder auf die Eifel-Höhen-Route hinter dem Dollendorf trifft. Ab hier führt dann auch die Eifel-Höhen-Route entlang des Lampertsbach.

 

Nun geht es sehr lange an Wiese und Waldrand entlang, ich kann mich nicht erinnern ob ich überhaupt irgendwann einmal an einer so langen Wiese entlang geradelt bin. Der Wald und Wiesenweg führte leicht aber konstant bergauf bis nach Alendorf. Kurz vor Alendorf fiel uns auf, dass sich hier der Eifelsteig und die Eifel-Höhen-Route eine Weile den Weg teilen, das erklärte wahrscheinlich auch die vielen Wanderer, denen wir auf einmal begegneten. In Alendorf wollten wir uns mit einer Mahlzeit stärken, wir wurden enttäuscht, scheinbar lohnt es sich nicht für ca 272 Einwohner hier ein Lokal zu eröffnen. Uns blieb nichts anderes übrig, als die verbleibenden Höhenmeter bis Ripsdorf hochzuradeln. Vorher aber machten wir noch eine Müsli Pause , der Parkplatz am Ehrenfriedhof Alendorf kam uns dazu ganz gelegen. Von hier aus konnten wir die frommen Zeugen der Vergangenheit sehen: die Friedhofskapelle St. Agatha, den Kreuzweg und den Kalvarienberg, letzter war bestückt mit hunderten Wacholdern, sehr außergewöhnlich.

 

Kurz vor Ripsdorf kreuzte sich die Eifel-Höhen-Route wieder mit dem Eifelsteig, das aber interessierte uns gerade wenig, unsere knurrenden Mägen hatten gerade Priorität. Gegenüber der Ripsdorfer Kirche kehrten wir in der Gaststätte Breuer ein. Der Himmel war fast wolkenlos, immer wieder kehrende sehr frische Brisen ließen uns kaum merken, wie die Sonne brannte. Wir hockten uns auf die Terrasse und versorgten unsere leichten Sonnenbrände mit reichlich Sonnencreme, bevor wir unsere Gaumen mit einer guten Eifel Küche verwöhnen würden. Es fiel schwer, sich nach der Pause aufzuraffen, aber ein paar Kilometer (und Höhenmeter) wollen wir heute noch schaffen. Frei Motto: Lasse nicht für morgen die Höhenmeter, die du heute kannst besorgen... Wir beschlossen spontan, Dahlem oder Abtei Maria Frieden als Tagesziel anzusteuern.

 

Kalvarienberg mit Wacholder
Pause in Ripsdorf
Pause in Ripsdorf
Terrasse vom Breuer
Eifelblick vom Missionskreuz auf dem Heidenkopf
Aufstieg zum Hahneberg über Walldorf geschafft
Dahlemer Bahnhof

Der nächste Anstieg von der Ripsdorfer Mühle über Waldorf zum Hahneberg dürfte der wohl steilste heute gewesen sein. Bevor es gleich ca. 8 km bergab nach Dahlem geht, genießen wir für ein paar Augenblicke den Eifel Blick vom Missionskreuz auf dem Heidenkopf. Das erste, was wir dann in Dahlem sahen war der kleine Bahnhof, in der Zeit stehen geblieben.

16:25 Uhr war es mittlerweile, bei einem Kaffee im Café Harmonie beratschlagten wir uns, ob wir noch etwas weiter radeln oder ob wir in Dahlem bleiben. Wir beschlossen weiter zu fahren. Recht zügig gelangten wir zur Abtei Maria Frieden . Hier sollte man auch den Frieden noch etwas genießen, dann ab der Abtei ist erst einmal Schluss damit, die nächsten 10 Kilometer und 120 Höhenmeter rauf nach Udenbreth führen entlang der L110, einer sehr gut befahrenen Straße ohne Seitenstreifen, und hier waren alle, vom Motorrad bis zum LKW sehr sehr rasant unterwegs. Genießen können hier wohl nur die Sonntags Cruiser, gemütliches Radeln ist hier nicht möglich, man fühlt sich durch den fließenden Verkehr permanent unter Druck gesetzt.


Nachdem wir auf dem Bärbelkreuz , das wir zuvor schon in der Ferne vom Heidenkopf sahen, den WDR Radio Sender passiert und etwas verschnauft hatten, trennten uns noch wenige Kilometer und ein leichter Anstieg von Udenbreth. Hier würden wir versuchen, unser Nachtlager aufzuschlagen. Wir suchten den Breuer Hof, welcher in der Eifel Broschüre annonciert war. Diesen fanden wir auch schnell auf dem Schüttenberg, auf dem befanden wir uns gerade. Der Breuer Hof ist ein Vollerwerbsbetrieb. Wer also mal Urlaub auf einem Bauernhof machen möchte, ist hier genau richtig. Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, und man ist sehr freundlich.  Im Winter wie auch im Sommer dürfte man hier die Nähe zur Natur finden. Vom Hof aus kann man Wandertouren starten, im Winter  verwandeln die Wege sich auch schonmal in Loipen. Nachdem wir die restliche Wärme der Abendsonne zu uns genommen hatten, haben wir den Abend in der nicht weit entfernten Dorf Gaststätte ausklingen lassen, danach bezogen wir unser Nachtquartier, mit Stallgeruch... wie das wohl auf einen Bauernhof so sein muss :o) Naturfeeling pur ...

 

56 kilometer und 845 höhenmeter haben wir heute geschafft, damit haben wir unser Vorhaben von ca. 500 hm pro Tag „knapp“ verfehlt. Entweder haben wir das Höhenprofil total missverstanden, oder aber einen Super Start hingelegt, so oder so bin ich hier schon ganz stolz auf Claudia für diese Wahnsinnsleistung.

Tag 2 –Udenbreth - Rurberg

Abfahrt nach Hellenthal

Der erste Blick aus dem Fenster versprach einen  sehr schönen sonnigen Tag, heute waren wir aber schlauer und gönnten uns schon vorab die völle Dröhnung Sonnencreme. Nachdem wir uns beim Frühstück gestärkt hatten radelten wir los. Aus Udenbreth hinaus führte uns ein Wirtschaftsweg, der sehr bald auf einen Schotterweg mündete. Diesem folgten wir entlang einiger Bäche, diese dürften der Platißbach und der Prether Bach gewesen sein. Während wir die Abfahrt nach Hellenthal genossen, beneideten wir nicht die uns entgegen kommenden Mountainbiker, für die ging es nämlich nur bergauf, „nur“ ca. 300 hm... gut dass wir die Eifel-Höhen-Route nicht in die andere Richtung gestartet sind.

 

 

Oleftalsperre
Oleftalsperre

In Hellenthal machten wir kurz Rast und entledigten uns der langärmligen Klamotten, welche uns auf der frischen Abfahrt den Fahrtwind vom Leibe hielten. Nach einer knackigen Steigung von Hellenthal hoch zur Oleftalsperre wurden wir mit einer wunderschönen Aussicht auf den Stausee belohnt. Der Blick erinnerte mich ein wenig an den Gardasee, deswegen taufe ich diese Tour als Mini Alpencross  :) Die nächsten 8 Kilometer radelten wir fast waagerecht am Ufer der Talsperre entlang, vorbei am Eichlerhardt, Vinolsberg, Kalenberg, Dornhardt, Birkenhardt, Wiesenhardt und wie die Jöchl da nicht alle heißen....

Aufstieg nach Wahlerscheid

Mühsam wurde es wieder mit dem Aufstieg nach Wahlerscheid, ca. 10 kilometer mit 4,7% Steigung. Nachdem wir das südliche Ufer der Talsperre erreicht hatten, warteten schon einige Schotter Serpentinen auf uns. Hier befanden wir uns schon im Naturpark Hohes Venn. Wie das aber meistens so ist, registriert man beim Aufstieg nicht genau, wo man ist und checkt es erst später.

Interessant würde es wieder ab Wahlerscheid, nicht nur weil wir hier den größten Batzen Höhenmeter hinter uns brachten. Ab der Kreuzung in Wahlerscheid würden wir auf den Wildnis Trail stoßen, der schon Teil vom National Park Eifel ist. Rund um Wahlerscheid findet man auch Spuren der Vergangenheit, so war diese Kreuzung einer der am besten befestigten Abschnitte der Region und spielte eine wesentliche Rolle in der Ardennenoffensive im Rahmen des zweiten Weltkrieges.  Auch soll man in dieser Region noch Patronen und andere Spuren der Vergangenheit finden.  Da der größte Teil dieser Region zum Nationalpark Eifel gehört, ist es hier nicht erwünscht die markierten Wege zu verlassen. Die Park Ranger sorgen im ganzen Nationalpark für entsprechende Ordnung.

 

Rastplatz für unsere Brotpause
beim Aufstieg nach Kaltherberg

Ab Wahlerscheid folgten wir der breiten Waldautobahn durch den Park, gemütlich radelten wir daher und trafen hier auf viele lustige Vatertags Wandergruppen samt Kind und Kegel. Nach einem kleinen aber heftigen Anstieg beschlossen wir dann eine Brotpause zu machen. Auf einer gut gelichteten Wiese, in der Nähe des Perlenbachs bezogen wir einen Baumstamm am Rande des Waldes und ließen uns von der Mittagssonne verwöhnen, während wir genussvoll in unsere Brötchen bissen, welche wir uns morgens auf dem Bauernhof als Reiseproviant geschmiert hatten. Eine halbe Stunde verweilten wir hier und sammelten Kraft für den anstehenden Anstieg nach Kalterherberg.

Eine Weile würden wir noch den Perlenbach entlang radeln, welcher wie der Weg ziemlich genau entlang der Deutsch-Belgischen Grenze führte. Ein Schild mit Hinweis auf das Gut Heistert , das hier am Rande des Nationalparks liegt, auch direkt an der Grenze zu Belgien, lud verführerisch auf eine Einkehr ein, wir aber konnten widerstehen und widmeten uns dem knackigen Anstieg nach Kalterherberg. Monschau hatten wir uns als Tagesziel gesetzt, 8 Kilometer und 100 Höhenmeter abwärts trennten uns noch von der Tuchmacherstadt. Da es erst kurz nach 13 Uhr war beschlossen wir, in Monschau Mittagspause zu machen und dann würden wir weiter sehen.

 

Eifeldom in Kaltherherberg

Während wir in Kaltherherberg den Eifeldom bewunderten, machten sich im Hinterkopf Gedanken breit: Es war noch recht früh, und wir hatten unser Tagesziel schon fast erreicht. Da könnten wir doch eigentlich versuchen, weiter zu radeln bis nach Rurberg, und dort im Café Henn einkehren, der beliebte Einkehrpunkt des TeamD während der SAW‘s ...

Die Abfahrt nach Monschau führte uns durch das Hohe Venn, kurz nach Kaltherherberg trafen wir auf die Rur, ab dort ging es weiter durch das Naturschutzgebiet Gebirgsbach Rur, an der Rur entlang auf dem RurUfer Radweg. Die Rur ähnelt hier mehr einem Bächle , und man könnte bequem durch waten. Sehr beeindruckend, wenn man wie ich überwiegend nur den Mittellauf des Flusses bei Heinsberg und Roermond kennt, dort trifft die Bezeichnung Fluss eher zu.

Nach der gemütlichen Abfahrt trafen wir in Monschau ein, die Tuchmacherstadt. Die weit bis vor Ortseingang parkenden Autos ließen schon erahnen, dass der Luftkurort mit dem heutigen warmen Wetter  viele Touristen angezogen hat. Die Stadt war richtig überlaufen, da konnte sich auch keiner in den Winkeln dieser mitteralterlichen Stadt verstecken. Da wir keine Lust auf viel Trouble hatten, ließen wir uns direkt am Ortseingang im „Zum Tuchmacher“ nieder. Eine Werbetafel verkündete hier einen „Bike Grill“, ob dies nun unseren motorisierten Freunden gewidmet war oder nicht konnten wir nicht in Erfahrung bringen, da sich hier aber schon eine Gruppe Rennradfahrer breit gemacht hatte sahen wir hier unseresgleichen und setzten uns zu ihnen, direkt neben die Hauptverkehrsschlagader, welche in die Stadt führte.

Während knatternde Harlyes in die Stadt ein und aus fuhren brutzelte unsere Wurst auf dem Grill und wir ließen uns die hausgemachten Pommes schmecken. Wir blieben aber nicht lange, verwöhnt von der Stille der Natur war es uns hier etwas zu hektisch und laut. Wir waren froh, als wir gegen halb vier Monschau wieder verließen. Von Monschau bis Rurberg ist der RurUfer-Radweg gleich der Eifel-Höhen-Route. Am Rur See teilen sich die Radwege dann wieder. Vom Kaffee & Kuchen bei Sandy & Mandy im Café Henn trennten uns aber noch ein paar Steigungen. Tendenziell ging es bergab , aber zwischendurch gab es immer mal wieder leichte Steigungen, obwohl wir flussabwärts radelten.

 

die Rur (ohne h) ;-)
Abfahrt nach Monschau
Claudia
Peter
kurz vor Einruhr
Kaffee & Kuchen bei Sandy & Mandy in Rurberg

Nachdem wir öfters den Eifelsteig gestreift hatten, gelangten wir schon ziemlich müde an den Obersee bei Einruhr. Hier machten wir kurz Rast und fragten uns, ob wir überhaupt noch eine Übernachtung bekommen würden. Das lange Wochenende, und das schöne Wetter und die vielen Möglichkeiten hier in der Region etwas zu unternehmen ließen nichts Gutes vermuten. Wir hielten unser Tagesziel Rurberg fest, ein Anstieg trennte uns noch vom Kaffee und Kuchen Paradies mit Seeblick  an der Rurtalsperre. Die letzte Steigung führte entlang der Bundesstraßen B266 und L149, nicht gerade ein Traumetappen Ende. Leider fiel mir erst auf halbem Aufstieg ein, dass man sich hier das Leben etwas bequemer machen könnte, indem man in Einruhr mit der Fähre über den Obersee nach Rurberg schippert. In dem Falle hätten wir uns den Kuchen aber nicht verdient.

Kurz vor Rurberg deuteten die externen Parkmöglichkeiten darauf hin, dass auch in diesem Ort einiges los sein würde. Das wurde uns wenige Meter weiter bestätigt, als wir über die Staumauer fuhren. Links der Eiserbachsee und rechts von uns die Rurtalsperre, oberhalb von uns ein traumhaft blauer Himmel mit viel Sonnenschein, und leider einer sehr frischen Brise. Hat was von der Nordsee...

In Rurberg angelangt fackelten wir auch nicht lange und suchten sofort das Café Henn auf. Dort angelangt wurden wir etwas enttäuscht, die Terrasse mit Seeblick war total überfüllt, wir versuchten es im Lokal inneren, das gleiche Bild,... aus der Kuchentraum? Die Ansicht der Kuchentheke verankerte uns in unmittelbarer Nähe des Eingangs, hier sondierten wir Terrasse, wir sahen noch 2 freie Plätze an dem Tisch eines älteren Paares und fanden, dass der Tisch groß genug für vier Personen sei. Platz genommen, aufgeatmetet, puh, geschafft, hier kriegt uns jetzt erst mal keiner weg.

 

Rurtalsee
auf Erkundungstour in Rurberg
Rurtalsee

Nachdem wir Quartier bezogen hatten, zogen wir gegen 20 Uhr los um eine Futterstelle zu suchen. Pasta wäre heute Abend willkommen, ob wir hier eine Pizzeria finden? Nachdem wir den Ort einmal durchlaufen und die Speisekarten aller Gaststätten studiert hatten, wurde uns klar, dass wir heute keine Nudeln mehr bekommen würden. Der Spaziergang durch den Ort verschaffte uns mindestens 50 Bonus Höhenmeter, und der Lohn dafür? Ab 20:30 Uhr ist hier Schicht im Schacht, die Bürgersteige klappen hoch, die Küchen schließen.... Unser Abendmahl, welches sich aus Schoko,-Müsliriegel, Wasser, Malz und Hopfen zusammen setzte, fanden wir an einem Kiosk an der Seepromenade. Die Tagestouristen waren abgezogen, die Urlauber und Ortsansässigen machten sich bettfertig, der Ort war auf einmal wie leer gefegt. Jeder war jetzt für sich selbst verantwortlich. Mit noch leicht knurrendem Magen machten auch wir uns zeitig bettfertig und träumten von einem Nachrungsreichen Frühstück am nächsten Morgen.

Mit 68 Kilometern und 421 Höhenmetern ging  auch der heutige Tag mit einer beachtlichen Leistung zu Ende. Da wir die alternative Eifel-Höhen-Route entlang der Urftbachtalsperre fahren wollen und noch 2 Tage Zeit dafür haben, können wir zufrieden sein mit dem, was wir bisher erreicht haben und uns Zeit für den Rest der Route lassen.

Tag 3: Rurberg – Blankenheim

unsere heutigen Nachbarn

*gähn* „Guten Morgen Ihr Braun-Schwarz-Weiß gefleckten Nachbarn, alles fit?“ Muh war die Antwort, na denn, alles klar. Nachdem wir unsere angespannten Körper aus dem Bett gehieft und diesen mit einigen Dehnübungen wieder in Form gebracht hatten machten wir uns um 9 Uhr auf zum Frühstück und hofften, dass wir reichlich Brötchen bekommen würden, um das fehlende Abendessen wieder wett zu machen. Wir wurden für das nächtliche Hungern belohnt, da hatte  doch eine Familie am Nebentisch ihr Frühstück kaum angerührt, die Wirtin war total enttäuscht und bat uns an, uns dort noch zu bedienen. Das ließen wir uns nicht zwei mal sagen, wir aßen reichlich und schmierten uns noch ein paar Brötchen für eine Pause  unterwegs.

Zwischen
Rurberg
und
der
Urfttalsperre

Über den Staudamm Paulushof überquerten wir den Obersee, das Wetter war wieder auf unserer Seite, ein Blick zum Himmel zeigte nur wenige Wolken. Mit wenigen Hügeln ging es flott voran, der Weg war schotterig und breit, leider ließen die vielen Bäume am Wegesrand nur wenige Blicke auf den Obersee zu unserer rechten zu. Hier und da erhaschten wir aber eine Lichtung, die uns eine hervorragende Aussicht auf den See bot, fast wie ein Blick auf den Gardasee , aber auch nur fast ...  
5 Kilometer später waren wir schon an der Urfttalsperre. Für die bequemeren Biker, oder die welche einen anderen Blickwinkel wünschen, wäre es auch wieder möglich gewesen mit der Fähre vom Obersee zur Urfttalsperre zu fahren.

Urfttalsperre
Urfttalsperre
Urfttalsperre
Urfttalsperre
Urfttalsperre

Hier gönnten wir uns einen minimalen Schlenker, um uns die Talsperre vom Staudamm aus anzusehen, gigantisch.  Das Gebiet rund um den Urftstausee war bis Ende 2005 noch unzugänglich weil es vom belgischen Militär als Truppenübungsgelände benutzt wurde.  Noch gar nicht so lange her also, dementsprechend gibt es in der Region noch einige Bereiche, welche aufgrund der Altlasten des Übungsplatzes und des Zweiten Weltkriegs noch unzugänglich sind, und auch aus Naturschutzgründen.

 

Brücke über die Urft
auf nach Gmünd
die Urft

in Gmünd

Wir machten uns wieder auf den Weg und hielten hier und dort an einigen Wander/Infotafeln. Sollte man machen, wenn man vor Ort Einiges um das Drumherum erfahren möchte, so erfuhren wir beispielsweise das Der Kermeter nichts mit Fröschen zu tun hat, und auch, dass es in der Gegend Europäische Wildkatzen gibt. Mit dieser neuen Erkenntnis radelten wir in Gmünd ein, und eigentlich schon unser Tagesziel war. 16 Kilometer waren es von Rurberg nach Gmünd, da haben wir wohl etwas verplant. Hier, wo die Olef und die Urft zusammenfließen, gönnten wir uns eine Kaffeepause, es war zwar schon Mittag, aber dank des reichhaltigen Frühstücks fühlten wir uns noch nicht hungrig.

In unserer begleitenden Infobroschüre lasen wir, das der alternative Vorschlag der Eifel-Höhen-Route durch das Herz des National Parks, statt über die Nordschleife der Eifel-Höhen-Route (längere Variante mit mehr Höhenmeter) auch nur von Rurberg nach Gmünd ging. Daran orientierten wir dann wohl auch unsere Planung. Bis Gmünd aber war es nicht wirklich anstrengend. Motiviert machten wir uns gemütlich weiter auf den Weg. Bis Kall würden wir an der Urft entlangradeln, die leichte Steigung bis nach Kall ließ uns hoffen, dass wir heute noch Einiges schaffen würden.

 

kurz vor Kall
Wallenthal
kurz vor Hostel
Anhöhe vor Hostel
kurz vor dem Anstieg nach Mechernich
hier ist Mittagszeit

Kurz hinter Kall passierten wir Wallenthal, hier ist der Anschlusspunkt der „Nordschleife“ der Eifel-Höhen-Route. Hätte sicher auch seinen Reiz gehabt, aber stand nicht auf unserem Plan, ein anderes mal vielleicht. Nach einem kleinen aber feinen Anstieg bei Wallenthal ging es rasant bergab nach Schützendorf. Das es gerade so schön lief, nahmen wir im Anschluß noch den Anstieg nach Hostel in Angriff, dieser forderte dann schon einige mehr Körner. Von Rurberg bis Hostel waren es 32 Kilometer, würde eigentlich Zeit für ein warmes Mittagessen. Nach einem Blick auf die Karte fiel unsere Wahl auf Mechernich, welches von Hostel aus in 5 Kilometern erreicht werden kann.

Von Hostel aus rollten wir gemütlich bergab. Die im Flyer angegebe 1% Steigung nach Mechernich dürfte ein Klacks werden, aber auch hier könnte man wieder diskutieren ob dies tatsächlich 1% war. Gefühlt waren es mindestens 4%, nun denn, das Mittagsmahl haben wir uns gleich auf jeden Fall verdient.

Mit etwas über 27.000 Einwohnern sollte man bei einer Stadt wie Mechernich davon ausgehen, dass es hier reichlich Gastronomie gibt, die unseren heutigen Wunsch nach Pasta  erfüllen könnte. Am Vorabend hat das ja leider nicht geklappt. Es war ca. 14 Uhr, und wir sind scheinbar genau zur Mittagspause in der Stadt eingetroffen. Viel Auswahl an Gastronomie bat sich uns nicht, die meisten hatten bis Nachmittags geschlossen, als unsere Wahl fast schon auf den Burger King am Ortsausgang fiel, fanden wir schließlich eine kleine Grillbude welche Nudeln Bolognese auf der Tageskarte hatte, perfekt, hier bleiben wir.

Nachdem wir uns noch einen Nachtisch an einer Eisdiele gönnten hatten, radelten wir weiter, bis Breitbenden würde es noch bergab gehen, ab Breitbenden wäre dann erstmal Schluss mit Lustig, ab hier geht es bis Blankenheim nur noch Bergauf. Bis Eiserfey oder Urfey wollten wir es noch schaffen, damit wir am letzten Tag nicht alle verbleibenden Höhenmeter machen müssen.

 

Aufschluss der römischen Wasserleitung bei Vussem

Ab Breitbenden würden wir immer mal wieder auf den Römerkanalweg treffen, welcher entlang der römischen Eifelwasserleitung  nach Köln führte, und dessen Einwohner vom 1.-3. Jahrh. n. Chr. mit frischem Trinkwasser aus der Eifel versorgte. Hier und da entdeckten wir einige Aufschlüsse der Wasserleitung, die größeren Bauteile, wie etwa die Aquäduktbrücke bei Vussem, befanden sich abseits unserer Strecke, die wir wegen des andauernden Anstieges nur ungerne verlassen wollten. Deswegen auch kein Abstecher zur Kakushöhle in Dreimühlen, direkt neben Eiserfey.

zwischen Urfey und Keldenich

In Eiserfey und auch Urfey (48 Einwohner) war uns nicht so recht bewusst das wir durch ein Dorf radelten, die dort gesichteten Häusschen waren schön, machten aber den Eindruck, dass man hier ungestört sein möchte, mitten im Nichts. In Keldenich oder Urft würden wir dann eine Unterkunft suchen. Auf halbem Aufstieg zwischen Urfey und Keldenich gingen uns dann die Kohlenhydrate des Mittagessens aus und wir gönnten uns eine Müsli Pause, bevor wir dem Berg den Rest gaben.

 

(Ab hier hat mich leider das Handy Akku verlassen)

 

In Keldenich angelangt registrierten wir, dass uns von Blankenheim nur noch ca. 20 Kilometer und 200 Höhenmeter vom Startpunkt unserer Tour trennten. Der Gedanke in der kommenden Nacht im eigenen Bett zu schlafen gab dann nochmal richtig Kraft. Ab Urft wurde die Eifel-Höhen-Route auch noch mal richtig schön idyllisch. Zur rechten dichte Wälder, zur linken eine traumhafte Aussicht auf die Urft, die bis Blankenheim-Wald der Eifel-Höhen-Route folgen würde. Fast parallel zur Urft führte eine Eisenbahnschiene, und dahinter auf dem Bergrücken schlängelte sich der Eifelstieg entlang. Einfach wunderbar, quasi 4 Striche nebeneinander, Eifel-Höhen-Route, Urft, Eisenbahn und Eifelsteig, wie eine kleine Modellandschaft sah das ganze aus. Mitten in dieser sagenhaften Landschaft brach mir dann eine Speiche vom hinterren Laufrad . Das tolle Panorama ließ mich den Ärger darüber aber schnell vergessen und wir radelten weiter.

 

In Blankenheim-Wald wechselten wir auf einen Radweg, der entlang der gut befahrenen B51 nach Blankenheim hoch führte, keine 50 Höhenmeter mehr bis Blankenheimerdorf, ab dort mussten wir uns nur noch die 2 km bis nach Blankenheim runterrollen lassen. Ziel erreicht! Oder doch nicht? Das Auto parkte außerhalb von Blankenheim, ca. 50 Bonushöhenmeter erwarteten uns also noch. Diese würden uns aber nicht mehr aufhalten, deswegen machten wir es uns in Blankenheim bei Kaffee & Kuchen im Ahr-Café auf der Terrasse etwas gemütlich und ließen uns die restlichen warmen Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen.

 

Mit 72 Kilometern und 680 Höhenmetern war dieser Tag der anstrengendste. Mit insgesamt ca. 196 Kilometern und knapp 2000 Höhenmetern waren das 3 wundervolle Eifel Tage. Wir hätten noch unseren Puffertag nehmen können, um eine Tagestour zu machen, entschieden aber dies an einem anderen Tag fortzuführen. Da hier in der Nähe die Quelle der Erft entspringt, und diese quasi bis vor unsere Haustüre fließt, haben wir den Erf-Radweg  spontan als nächstes Projekt angezettelt, vielleicht schon nächste Woche. Dann tauchen wir wieder für einige Momente in diese schöne Eifel Ecke ein, nur würden wir dieses Mal nicht Hals über Kopf die Idylle mit dem Auto über die Autobahn verlassen, sondern uns ganz gemütlich nach und nach auf den ca. 110 Kilometer langen Erft-Radweg von dieser pintoresken Eifeler Natur verabschieden. Damit wir hier auch ja jederzeit wieder willkommen sind. :) Es gibt hier so viele interessante Rad und Wanderwege, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll diese tolle Landschaft zu erkunden. Ich hoffe wir bekommen öfter mal Gelegenheit dazu.

 

Das war‘s von der Eifel-Höhen-Route, ein ganz dickes Lob geht noch an Claudia, welche mit dieser Tour die wohl längste und mit am meisten Höhenmetern versehene Radwandertour gemacht hat. Und obwohl ich hier und da dachte, dass sie das Handtuch schmeißen würde, hat sie sich nicht kleinkriegen lassen und meisterhaft durchgehalten. *stolz auf sie bin* Hab Dich lieb mein Schatz :-*



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