Frangarto - Andalo (55 km - 335 hm)

Wir sind früh auf, ich war eh schon wach :) , und wollten um 8:00 Uhr am Krankenhaus sein. Aufs Frühstück wollten wir erst verzichten, aber die Hausdame hat uns noch rum gekriegt, und ich wollte auch Claudia nicht den Tag vermiesen, man sagt ja ein guter Tag soll mit einem guten Frühstück beginnen. Allerdings hab ich kaum einen Bissen runterbekommen. Die Hausdame meinte dann, wir sollen nicht mehr ins Krankenhaus fahren, sondern stattdessen weiter nach Kaltern, dort würde ein deutscher Zahnarzt aus München praktizieren, mit dem habe ihre Familie gute Erfahrungen gemacht.

Den Aufstieg nach Kaltern kannte ich schon aus dem letzten Jahr, allerdings waren es da nicht die ersten Höhenmeter, sondern die letzten des Tages. Daher war der Anstieg, trotz Zahnschmerzen, um Einiges angenehmer, trotzdem schade um die geplanten Montiggler Seen, die wir nun wegen des Notfalls umfahren müssen.


Um Punkt 9 Uhr waren wir beim Zahnarzt. Man ließ uns auch nicht lange warten, und die Behandlung dauerte nur kurz: Eine Spritze, ein Schnitt und schon konnte es weiter gehen... soweit die Theorie ... In Kaltern besorgten wir erst mal die verschriebenen Medikamente und schlugen in der Stadt bei einem Cappuccino noch etwas Zeit Tod. Die Entzündung des Zahns war mir genommen, aber der durch die Schmerzen verursachte Druck im Kopf ließ noch nicht ganz nach, das würde laut Zahnarzt noch 3-4 Stunden dauern....

Wir sind dann gemütlich weiter, wenn es schon nicht die Montiggler Seen sein sollten, dann wenigstens der Kalterer See. Nach Schwimmen war mir in dem Moment überhaupt nicht zumute, und das kühle Naß ließen wir dann auch aus, als wir sahen, dass wir nicht unmittelbar am Seeufer entlang kamen. Bereits 10 Kilometer weiter machten wir Rast in Termeno, wo wir in einem Park ein schattiges Plätzchen fanden. Es war 12 Uhr Mittags, und die Sonne knallte ganz schön. Aus Termeno heraus fuhren wir erst mal falsch, oder wollte ich unbewusst in Richtung Grauner Jöchl, wie im letzten Jahr? Wir machten uns also wieder auf den Weg zur Etsch...

 

Claudia machte mal wieder die Pace... ;-) und ich kam heute nicht so richtig hinterher, so wirklich viel zu sehen gab es auf dem gut ausgebauten Radwanderweg an der Etsch auch nicht. Auf der anderen Etsch-Seite hatten wir stets Aussicht auf die Brennerautobahn, sehr schön ... Immerhin wechselten die Apfelplantagen durch Weinreben... dazu kam noch diese Hitze von 36 ° C, und auf dem Radweg gab es zu wenige schattige Passagen. Wie zwei Grillhühnchen waren wir der Sonne ausgesetzt, und das sollte noch bis Trento so weiter gehen? So langsam muss ein Plan B her... Bei Salurn verlassen wir den Radweg und radeln stadteinwärts, finden aber keine Möglichkeit zum Einkehren. Diese finden wir bei Mezzocorona, das Restaurant da Silvio, mit einer Schattigen Terrasse, direkt am Radweg.

 


Bei der letzten Alpenüberquerung fuhr ein Teil der Gruppe ab Mezzolombardo mit dem Bus hoch nach Fai della Paganella, das sparte rund 400 Höhenmeter, zudem überquerten wir im letzten Jahr eine Ski Piste am Pian Dosson, über die eine Gondel ab Andalo bis zum Dos Pella führt. Also warum nicht diese Erfahrungen aus dem letzten Jahr nutzen? Ab Mezzolombardo bis Torbole wären es aus eigener Muskelkraft ca 1900 Höhenmeter gewesen, das wollte ich Claudia nicht antun, und auch wenn meine Zahnschmerzen mittlerweile nachgelassen hatten, war mit mir auch nicht mehr so viel los,...Mit dieser spontanen Touränderung sieht man auch mal wieder, wie variabel diese Alpenüberquerung sein kann. Ganz abgesehen davon, das wir die Etsch endlich mal aus den Augen verlieren würden, und unsere Alpenüberquerung mit einer hochalpinen Etappe beenden würden, zwar nicht ganz aus eigener Kraft, aber es sollte ja auch eine genüssliche Alpenüberquerung werden, also auf nach Mezzolombardo...

Claudia auf den Weg nach Mezzolombardo Warm heute ... 36 Grad und kein Grad kälter Auf dem Weg von Mezzolombardo nach Andalo


Nachdem wir zwei mal durch Mezzolombardo geradelt sind und keine Unterkunft fanden, die uns zusagte, studierten wir erst mal die Busfahrpläne,... Den ersten Bus verpassten wir prompt weil wir auf der falschen Straßenseite Standen, ... es war schon kurz vor 17 Uhr, ein Bus würde heute noch hochfahren nach Andalo. Wenn wir den nicht bekommen, brauchen wir einen Plan C ... wir brauchen ja noch immer eine Unterkunft für heute... Mit 15 Minuten Verspätung kam der Bus dann, die Mitnahme der Bikes war kein Problem, den Preis von 5 EUR für 2 Bikes und 2 Personen für ca 1 Stunde Fahrt konnten wir nur belächeln, wenn man das mit den ÖVM Preisen hierzulande vergleicht. Mal ganz abgesehen davon welcher Bus nimmt hier 2 Fahrräder mit?

Andalo liegt im Zentrum der Hochebene zwischen der Brenta-Gruppe und der Paganella. Der Ort war sehr viel größer, als wir annahmen, und sehr belebt. Als beliebtes Wintersportgebiet dürfte hier im Winter wohl noch sehr viel mehr los sein. Nach kurzem durchradeln und Umschauen nach Unterkünften war uns das Zentrum zu laut. Wir fuhren zurück zum Ortseingang, wo wir ein Hotel mit Bikefreundlichem Schild sahen. Dort konnte man uns leider nicht sagen, ob etwas frei war, man gab uns eine Telefonnummer, unter der wir uns erkundigen könnten,...  zu kompliziert... also weiter zum nächsten...

Albergo CiervoAuf dem Weg zum nächsten Hotel sahen wir etwas versteckt das Albergo Ciervo. Auf den ersten Blick ein scheinbar verlassenes Gebäude, beim zweiten Blick sahen wir ein paar ältere Leute davor in der Abendsonne sitzen. Also fragten wir, ob wir dort schlafen könnten. Als Antwort bekamen wir eine Gegenfrage, warum wir denn nicht im Garni Hotel nebenan fragen würden, da wäre es doch viel bequemer und moderner, zudem vermieten die scheinbar nur ab 3 Tage, würden aber wohl eine Ausnahme machen. Die älteren Herrschaften vor dem Haus freuten sich, einer der rüstigen Senioren versuchte mir mit Händen und Füßen verstehen zu geben, dass hier überwiegend Senioren zu Gast sind.

Das Albergo Ciervo erinnerte an eine Kloster Hospiz aus den 30er Jahren, vor allem im Inneren schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Dafür war es aber die günstigste Unterkunft die wir auf dieser Alpenüberquerung bekommen haben. 25 EUR pro Person inkl. Frühstück. Dafür nahmen wir gerne in Kauf dass wir unser Bett selber beziehen und das Zimmer am nächsten Tag reinigen mussten. Die nicht vorhandenen Teller beim Frühstück waren auch kein Problem, eine urige Erfahrung war das :)

Spaziergang in Andalo Die Brenta Gruppe im Nacken In Andalo gehts dem Zahn schon viieeel besser Planung für den nächsten Tag


Nach einem Abendspaziergang durch Andalo, und einer Pizza To Go ging es wieder zurück ins Albergo. Laut Hausordnung sollten wir bis Mitternacht auf dem Zimmer sein, aber auch das war kein Problem, wir waren ziemlich geschafft ...

Höhenprofil Frangarto - Kaltern - Termeno - Mezzolombardo

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