St. Valentin - Frangarto (102 km - 246 hm)

Frühstück gab es heute erst um 9:00 Uhr, aber nicht schlimm, heute wird es nur Die Haide oberhalb von St. Valentinbergab gehen und da kann man Zeit wettmachen. Auch für heute haben wir kein Ziel, für den 5ten Tag hatten wir Nauders-Meran geplant, wir wollen heute bis hinter Meran, irgendwohin wo es gemütlich und ruhig ist.

Was schlimm war, oder langsam schlimmer wurde, waren meine Zahnschmerzen. Vor dem Schlafengehen hatte ich die Reiseapotheke bereits um weitere Schmerztabletten erleichtert, und auch nach dem Frühstück kam ich nicht drumherum schon wieder zu „dopen“....

Den Haidersee umfährt man, vom Reschensee aus gesehen, am besten Der Haiderseerechtsherum, wo auch die Via Claudia entlang geht. Wir machten den Fehler und fuhren linksherum. Links herum hieß erstmal Bonushöhenmeter, ca. 50; dann mussten wir ein Stück auf die Bundesstraße wechseln, um dann am See ein "Durchfahrt verboten für Fahrräder" Schild zu sehen... Nachdem wir einige warnende Blicke bekommen hatten, haben wir unsere Räder dann ein paar Kilometer geschoben, bis wir wieder auf der Via Claudia waren.

 

Bis nach Glurns ging es dann einfach nur brutal abwärts, sehr schnell wird man hier,... zu schnell,... und durch viele Kurven und viel Grün verliert man schnell die Übersicht... Die Abfahrt hat einfach nur Spaß gemacht!! Trotzdem sollte man sich ab und zu mal bremsen, um auch etwas vom Panorma mitzubekommen. Fürstenburg bei BurgeisBereits in Burgeis, keine 10 Kilometer und 200 Höhenmeter tiefer im Tal war es für Claudia schon die schönste Etappe, und hier möchte sie auf jeden Fall noch einmal hin... Nein, noch ist der nächste Alpencross nicht in Planung... Auf dem Weg aus dem Vinschgau heraus treffen wir immer mal wieder einige unserer Pensionsnachbarn, die am Morgen auch in St. Valentin gestartet sind. Der Etschradweg war sehr gut besucht, bergauf wie bergab radelten sie alle daher. Auch hier sahen wir keine Alpencrossler, die Strecke ist wohl mehr was für Genussradler, also wie wir, auf unserer „GenussbikerPussyAlpencross“ :)

Pedalritter mit HelmIn Burgeis gibt es ja so Einiges zu sehen, die Fürstenburg, Europas höchstgelegenes Benediktinerkloster Marienberg (auf 1340 m), das Kirchlein St. Stefan, der romantische Pfaffensee... „Claudia, ich glaub hier müssen wir tatsächlich nochmal hin“... So im Tiefflug wirkt das alles nicht ...

Ab Glurns war dann wieder Beinarbeit angesagt. Das Wetter war top, und so radelten wir genüsslich durch die Apfelplantagen weiter Richtung Süden. Da das Frühstück in der Pension Monika nicht sehr groß ausfiel, und nicht reichte, um noch etwas für eine Brotpause mit auf den Weg zu nehmen, beschlossen wir im Fischerclub Kortsch eine Pause zu machen. Kulinarische Köstlichkeiten, Imbiss, hier sollte für jeden was dabei sein. Das Lokal liegt direkt an einem kleinen Fischerteich, sehr romantisch, und ist sehr gut besucht. Ich glaub hier kam keiner vorbei der nicht angehalten hat. Und sei es nur um zu schauen, warum da so viele Räder parkten. Auch unsere Nachbarn aus der Pension Monika trudelten kurz nach uns ein.

Brotpause Fischerclub Kortsch Anglersee vom Fischerclub Kortsch  Brotpause beim Fischerclub Kortsch   

 

Nach Glurns, kurz vor Spondigna, macht die Via Claudia einen Schlenker über Prad. Durch den Schlenker vermuten wir Bonushöhenmeter und entschließen uns kurz die Etsch Seite zu wechseln, und über Spondigna zu fahren, wo wir die Etsch erneut überqueren und bei Cengles wieder auf die Via Claudia stoßen. Es hat heute gemütlich angefangen und soll auch gemütlich enden :)

Also weiter, Genussradeln pur, die Kilometer schwinden dahin, ohne dass wir uns wirklich anstrengen müssen. Und mal wieder gibt ein Fluss die Fahrtrichtung vor, die Etsch (Adige), der wir schon ab dem Haidersee bergab folgen und die wir heute auch nicht mehr aus den Augen verlieren würden. Und nicht nur wir finden diesen gut ausgebauten Radweg toll; je tiefer wir kommen, desto mehr Radfahrern begegnen wir.

Ab Laas geht es wieder etwas steiler bergab, mäßig, ca. 200 höhenmeter verlieren wir bis Göflan, dann geht es sanft weiter ins Tal an Goldrain vorbei, Latsch, Kastebell, Tschars,... begleitet von Sonne, blauem Himmel, Apfelplantagen, der Etsch, 30 Grad ... und Zahnschmerzen...

Ca. 55 Kilometer nach Start erreichen wir Naturns, und haben gerade mal 12 Uhr. Ich weiß nicht ob's die Zahnschmerzen waren, aber ab Naturns hatte ich schon genug von der Etsch gesehen. Und bis Rovereto geht der Etschtalradweg noch? Hmm... Ich hoffe, dass es mir nicht langweilig wird ;-) Abgesehen davon ist Claudia‘s Canyon auf Radwegen irgendwie viel spritziger als mein Ghost, oder liegts wieder am Indianer und dem Bogen?

Wir machen hier und da noch ein Verschnaufpäuschen und füllen unsere Trinkflaschen wo es nur geht. Auch wenn's nur bergab geht, bei den heutigen Temperaturen geht unheimlich viel Wasser durch. Kurz nach Töll geht es nochmal richtig ab, ins Meran Tal. Hier machen wir nochmal kurz Rast und genießen den Ausblick ins Meraner Land. Vorbei an den Trauttmansdorffer Thronsesseln am Hochkreuz in Algund geht es hinab nach Meran. Zwar gab es heute bisher kaum Höhenmeter, aber die 72 km (bis Meran) schlauchten trotzdem irgendwie. Der Radweg durch Meran war gut ausgeschildert, und wir kamen schnell hindurch.

Trauttmansdorffer Thronsesseln
Freude Friede Segen
Meran
Geschafft... man sieht auch schon die dicke Wange...

In Meran wollten wir nicht bleiben, zwar war es erst 14 Uhr , und wir hätten noch einen Stadtbummel machen können, oder Schloss Trauttmansdorff besichtigen, oder noch besser die Gärten vom Schloss, aber wir hatten Hunger, sind also so gut es ging an Meran vorbei, und fanden leider nur eine Bar, in der es 3 Gänge Menü gab. Die sind hier vielerorts üblich, und auf so einer genüsslichen Alpenüberquerung eigentlich auch gar nicht verkehrt, wenn da nicht diese Zahnschmerzen wären... Und als wenn das nicht schon Strafe genug wäre, machte sich nach dem Essen auch noch ein Platten bemerkbar ...

Mittag in Meran
der Nachtisch ...

Für mich war der Tag ziemlich gelaufen. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, die Wange und das Gesicht dicker, und als wenn das nicht reichen würde war da ja noch immer „diese Etsch“. Ich kann den Fluß grad echt nicht mehr sehen... Eigentlich wollten wir irgendwo nach Meran eine Unterkunft suchen, irgendein verschlafenes Dörfchen wie St. Valentin. Daraus wurde nichts, spontan beschlossen wir uns irgendwie bis nach Bozen zu schleppen, um dort eventuell einen Arzt aufzusuchen. 30 Kilometer weiter standen wir an einer Brücke, welche über die Etsch führte, links ging es nach Bozen, rechts ging es weiter über die Via Claudia nach Kaltern hoch.

Etsch, Etsch , Etsch ...
Etschtalradweg...
Burg zwischen Bozen und Frangarto

Bozen sieht nicht einladend aus,... Kriegsbesprechung... was machen wir? Wir versuchen unser Glück in Frangarto, und werden fündig in der Pension „Stampfer Willi“, eine gute Wahl, und wie sich später herausstellte sogar auch eine Empfehlung von Andreas Albrecht. 


Man nahm uns dort liebevoll auf und gab uns das letzte Zimmer. Leider im Dachgeschoß, bei 30 Grad,... nicht gerade angenehm... Nach der Dusche nahm ich meine letzte Tablette, aber die Schmerzen waren nicht mehr auszuhalten. Der Kopf drohte zu platzen, hilft alles nichts, ab nach Bozen ins Krankenhaus.
Die Dame des Hauses zeigte uns noch eine Abkürzung zum Krankenhaus, die durch einige Apfelplantagen führte, also nichts wie hin....
18:30 Uhr, Ankunft am Krankenhaus... große Enttäuschung ..., in der Notaufnahme wies man mich ab, es sei kein Zahnarzt mehr da, es könne sich auch sonst keiner um mich kümmern. Ich bettelte nach Schmerzmitteln, bekam aber nicht mal eine Tablette. Ich fragte nach einer Apotheke, aber die hätten nur bis 19:00 Uhr auf, Apotheken-Notdienst gäbe es keinen... Ich solle am nächsten Morgen um 8:00 Uhr wieder kommen, dann wäre ein Zahnarzt da ...

Verzweifelt sind wir wieder nach Frangarto zurückgekehrt; das Aufregen machte die Schmerzen auch nicht besser...


Zurück in Frangarto erkundigte sich die Hausdame nach meinem Wohlbefinden. Sie schimpfte auf das Krankenhaus, habe aber nichts anderes erwartet. Leider hatte Sie auch keine Schmerzmittel parat, aber Sie wüsste da ein Hausmittel für Zahnschmerzen... Sie verschwand in der Küche und kam mit Nelkengewürz zurück. Da solle ich drauf kauen, das würde betäubend wirken. Na dann, probieren wir mal... aua, aua, aua ... hilft alles nichts... wir wollen nun was essen gehen, muss ja irgendwie sein.

Abendessen in der Trattoria Schenk
Abendessen in der Trattoria Schenk
"Dicke Backe"

Die Trattoria Schenk, die wir gesichtet hatten, als wir auf der Suche nach einer Pension versehentlich den Berg hoch gestrampelt waren, schien uns eine gute Wahl. War es auch... die Nudeln ließen sich auf der nicht schmerzenden Zahnseite recht angenehm kauen... Auf dem Weg zurück in die Pension versuchte ich nochmal, die Nelken zu kauen... ganz schlechte Idee. Das Nelkengewürz löste einen Brechreiz aus... ich frag mich, wie ich die Nacht überstehen soll ...


Im Zimmer war es heiß, der Zahn schmerzte, ich schwitzte... wälzte mich von einer Seite auf die andere, ans Fußende, ans Kopfende, legte mich auf den Boden, ging raus vor die Türe, ein wenig spazieren, legte mich auf die Bank vor dem Haus... die Nacht wollte einfach nicht enden ...

Höhenprofil St. Valentin - Burgeis - Glurns - Meran - Bozen - Frangarto

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