Landeck - St. Valentin (71km - 1128 hm)

Der erste Blick über den Balkon nach Hotel Mozartdraußen enttäuscht nicht: Der Himmel sieht gut aus; viel Blau ist zu sehen, und lässt auf den ersten richtig warmen Tag hoffen. Enttäuschend dagegen war einer meiner Zähne, der meinte, sich mit leichten Schmerzen melden zu müssen.

Nachdem wir gemütlich gefrühstückt und die Reiseapotheke um eine Schmerztablette erleichtert haben, sollte es losgehen. Vorher aber mussten wir noch die Seniorchefin mit der Frage löchern, mit was für einer Blume Sie unseren Frühstückstisch dekorierte hatte. Die Antwort: eine Lilie, gerade erst vor einigen Minuten im Garten gepflückt. Da soll noch mal jemand sagen auf einer Alpenüberquerung lernt man nichts :)

Aus Landeck heraus geht es sanft aber stetig die Inn aufwärts. Mal wieder gibt ein Fluss die Richtung an. Erst war es die Isar, dann die Loisach, nun, wie gestern, immer noch die Inn,... hier sollte sich selbst eine Weinbergschnecke zurecht finden ;-) Die Strecke wechselt zwischen Straßen und Radwegen. Claudia macht schon wieder die Pace ;-) Die Strecke ist gut besucht, immer wieder treffen wir Radfahrergruppen oder vereinzelte Rennradfahrer. Die letzten Alpencrossler sahen wir am Fernpass, selbst im Hotel Mozart tummelten sich  nur Tagesausflügler. Kurz vor Pfunds machten wir dann Brotpause, es war 11 Uhr, irgendwie bin ich durcheinander gekommen und meinte schon, dass gleich der Aufstieg zum Reschenpass beginnt. Aber bis dahin sind es noch ein paar Kilometer, ca. 20 noch, also ein bisschen Schonfrist hat Claudia noch, bevor sie sich auf dem Anstieg nach Reschen beweisen muss :)

*** Infos zur Alternative mit dem Postbus von Pfunds nach Nauders ***

 Kurze Pause in Tösens Brotpause vor Pfunds Pfunds 


Locker radeln wir weiter, und lassen Pfunds hinter uns, um an der Kajetansbrücke die erste kleine Schlüsselstelle zu erreichen. Der kleine Anstieg zur Brücke war nicht ohne, dazu mussten die letzten Meter auch noch auf der Reschen Bundesstraße gefahren werden. Auch kein Spaß, wenn man da am Wegesrand steht und ein Auto nach dem anderen vorbeibraust. Der Stress dauerte aber nur kurz; nachdem wir die Brücke passiert hatten, um auf der anderen Inn Seite weiter in Richtung Schweiz zu fahren , wurde es wieder entspannend für ein oder 2 Kilometer. Dann kam der Anstieg von 100 hm bis Vinadi, langsam kurbelten wir die wenig befahrene Bundesstraße hoch, in die Schweiz hinein.

Oben angekommen, folgte ein kurzer Wasserstopp, dann ging es weiter, mal wieder abwärts, rasant in Richtung Martina. Der Grenzübergang in Martina war sehr belebt, und einige Autos wurden von den Zöllnern auseinandergepflückt. Meine schlimmste Befürchtung, dass wir gleich unsere Rucksäcke leeren müssten, blieb aus. Ich hätte es vielleicht lustig gefunden, aber im Rucksack hatte ich etwas dabei, das nicht unbedingt gesehen werden sollte. Nein, keine Schmuggelware. Eine Überraschung für Claudia... Die Zöllner winkten uns durch, und wir überquerten wieder einmal die Inn. Und dann war sie da: die Königsschlüsselstelle dieser Alpenüberquerung... ca. 400 Höhenmeter und 6 Kilometer trennten uns von der Norbertshöhe.

Als Faustregel für eine Alpenüberquerung wird oftmals angegeben, Aufstieg zur Norbertshöhedass man zwischen 400-500 hm pro Stunde schaffen sollte. Da haben wir ja nun ideale Testbedingungen vor uns, und das in der Mittagssonne :) Und tatsächlich, es dauerte keine Stunde, bis wir oben waren. Für Claudia war es etwas anstrengender, aber sie hat es hochgeschafft, ohne absteigen zu müssen. Beim Aufstieg hat sie sogar noch 2 Männer überholt, die Ihr Rad neben sich herschoben - vielleicht gab das sogar extra Motivation? Ich war auf jeden Fall beeindruckt von ihrer Leistung, ließ mich dann zurückfallen (im Buch „Mountainbiken für Frauen“ steht als Tip für Männer drin: man(n) soll die Frau auch mal vorfahren lassen, das soll psychologisch gut sein ;-) .  Am Wegesrand gab es viele schöne und unterschiedliche Blumen, in allen möglichen Farben und Größen. Da kam mir spontan der Gedanke, dass Claudias Anstrengung auch belohnt werden sollte, und machte mich an die Arbeit, um einen schönen Blumenstrauß zusammenzupflücken... Oben angekommen war Claudia etwas ohne Puste, aber der Blumenstrauß hat ihr schnell wieder ein Lachen entlocken können. Auch nicht schlecht haben die Kumpels von den Überholten geschaut als eine Frau vor denen oben ankam. Aber vielleicht waren die auch nur neidisch auf den schönen Blumenstrauß ? :)

Claudia an der Norbertshöhe Nauders

Wasser tanken in NaudersWir hatten 13 Uhr, unser grob angepeiltes Tagesziel, Nauders, lag uns zu Füßen, dort wollten wir Mittag machen. Aus der Mittagspause wurde leider nichts. Scheinbar war der Ort gerade in Mittagspause; Wir sind kreuz und quer durch Nauders, aber wir fanden nichts zum Einkehren. Groß auf Restaurant hatten wir keine Lust; abgesehen davon gefiel uns Nauders überhaupt nicht, viele Hotels, und irgendwie überhaupt nicht idyllisch, typischer Skiort halt. Da ist es, glaub' ich nur im Winter schön ;-) Am Ortsausgang von Nauders haben wir im Schatten eines Baumes noch eine Bank zum Verweilen gefunden, die wir prompt für eine Müslipause nutzten und um zu beratschlagen, wie es heute weitergehen sollte. Wir beschlossen, es bis Reschen zu versuchen.

Die letzten 100 Höhenmeter ziehen sich auf einem gut asphaltierten RadwegReschen sanft zum Reschenpass hoch. Das Wetter ist super, die Laune gut, es ist warm: Benvenuto in bella Italia! Nur mein Zahn, der will nicht so ganz Ruhe geben ... In Reschen kehren wir um 14:30 im „Mein Dörfl“ ein, eine gut besuchte Bar direkt am See. Leider bekommen wir nichts Warmes zu Essen mehr, aber unsere knurrenden Mägen gaben sich auch mit 2 Stück Kuchen zufrieden :)

ReschenseeBei der Reiseplanung hatten wir uns eine Liste erstellt, mit möglichen Unterkünften in diversen Ortschaften, weil wir ja nicht wussten, wo wir aufschlagen würden. Claudia reichte es für heute, und ich stimmte zu, 61 km und 1128 Höhenmeter sollten für heute genug sein. Außerdem war es hier in Reschen sehr schön, eine viel bessere Wahl für eine Unterkunft als in Nauders . Beim zweiten Telefonat waren wir erfolgreich, allerdings müssten wir dafür noch 10 Kilometer weiter nach St. Valentin. Kein Problem, also weiter.

Von Reschen aus gesehen sind wir links am Reschensee vorbei. Man konnte auch rechts herum fahren; das schien etwas ruhiger und nicht so belebt, aber wir wollten uns in Graun den Kirchturm anschauen der aus dem Wasser ragt, und während wir uns noch über die Geschichte der Entstehung des Reschensee an einem Infocenter informierten zogen dunkle Wolken auf. Der Regen ließ nicht lange auf sich warten, da es aber sehr warm war, war das ein willkommenes Nass.

Kirchturm Graun am Reschensee Reschensee


St. Valentin ist nicht sehr groß, liegt direkt am Haidersee (Lago di Muta) , und scheint ein verträumtes Dörfchen zu sein. Unsere Unterkunft, die Pension Monika, liegt nicht direkt an der Hauptstraße, das gefällt uns. Auch der am Haus angrenzende Nadelwald bestätigt, dass wir Glück hatten und eine gute Wahl getroffen haben. Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach dem Abendessen. Wir fanden lediglich eine Pizzeria, die wegen Ruhetag (es war Dienstag) geschlossen war, und ein Restaurant namens Plagölt , das auf 1650 m lag. Die 200 hm wollten wir uns nicht mehr antun. Letztendlich fanden wir noch das Restaurant „Am See“, direkt am Haidersee. Auf der Terrasse konnten wir bei einem herrlichen Mahl die letzten Sonnenstrahlen genießen, dann zog das Abendlicht über den See und es wurde merklich frischer, also ab ins Bett kuscheln. 

Was man im Wald nicht alles findet Am Haidersee Lago di Muta - Haidersee

Höhenprofil Landeck - Pfunds - Norbertshöhe - Nauders - Reschen - St. Valentin

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