Tag 8: Madonna di Campiglio(I) - Torbole(I) (75 km - 847 hm)

Cascata
gleich ist schieben angesagt

Heute haben wir uns mit dem Aufstehen Zeit gelassen, 75 km und ca. 850 hm erwarteten uns an diesem Tag. Das dürfte ein Spaziergang werden im Vergleich zu gestern. Trotz des relativ späten Starts um halb zehn war es noch richtig frisch. Der Weg führte uns über eine Betonstraße aus Madonna hinaus. Viele Bäume spendeten uns ordentlich Schatten auf der Straße, und sorgten für ein leichtes Bibbern. Richtig feucht wurde es dann auch noch als wir am Rifugio Cascata vorbeikamen. Ein leichter Wind wehte die Gischt vom Wasserfall in unsere Richtung. Brrr…

Über eine Holzbrücke überquerten wir hier einen Bach, im Anschluss folgte ein Trail in den Wald. Wir haben uns bemüht, aber hier waren so viele glitschige Wurzeln, dass es nicht wirklich fahrbar war. Der Single Trail endete in einer breiten Waldautobahn, diese wird uns hinauf zum Lago di Val d’Agola führen. Mit dem Beginn der Waldautobahn endete die ruhige Gute-Morgen-Stimmung. Der Weg hinauf zum Lago war übersäht mit lautstarken Wanderern. Die sich über die ganze Piste breitmachten. Der Aufstieg war nicht so mühsam, aber das Ausweichen und Bremsen aufgrund der Wanderer machte die Sache ziemlich unangenehm. Allerdings wurden wir stets freundlich angefeuert, so blieb doch stets ein Lächeln im Gesicht und der Ärger über die „Hindernisse“ war schnell verflogen.

Am Lago di Val d'Agola

Beim Lago machten wir eine Müsli Pause und Foto Stopp, das war auch gut, denn das nächste Stück hinauf zum Passo Bregn de l’Ors war ziemlich steil, dazu noch recht matschig. Schon wieder schieben *seufz*, so habe ich mir die letzte Etappe nicht vorgestellt.... eine gute halbe Stunde weiter waren wir dann endlich oben.

Total schön war es hier oben, es war gerade mal 11:30 Uhr, und eine große hügelige Wiese, blauer Himmel und Sonnenschein luden ein zum Mittagsschläfchen. Wir schauten uns noch die Kapelle an und machten uns dann wieder auf den Weg. Wir wussten, dass unsere Bekannten MTB Freunde uns wahrscheinlich dicht auf den Fersen sind, und auch wenn es kein Wettkampf war, so wollten wir doch versuchen unseren Vorsprung zu bewahren, um als erste am Gardasee zu sein. Dieser Ehrgeiz ... schlimm ...

Gleich schon wieder schieben
Lago di Val d'Agola von weiter weg
Nach wie vor: Traumwetter
Kappelle bei Bregn de l’Ors
Ab jetzt nur noch Bergab?

Das sollten auch die anstrengendsten Höhenmeter heute gewesen sein. Wir schätzten, dass uns grob noch 100-150 hm und 55-60 km vom Ziel , Torbole, trennten. Es geht ab jetzt quasi nur noch Bergab :-) Juchuuu….

Nach einem kurzen Trail über die Wiesen folgte eine Schotterpiste. Der Downhill dauerte aber nicht lange. Um eine Schotter Serpentine zu vermeiden folgten wir einem Wiesen Trail. Dieser war übersäht mit etwas größeren Steinen. Dirk erwischte auch prompt einen und ging über den Lenker, aber Gott sei Dank nichts passiert. Er ist weich gelandet und hat keine Steine erwischt. Nach einer kurzen Pause ging der Downhill dann wirklich los, 700 hm auf einer breiten Piste bergab führten uns zum Rifugio Brenta.

Da wir nicht wussten, wann die nächste Essmöglichkeit kommen würde, beschlossen wir hier Mittagspause zu machen. Es war kurz vor 13 Uhr, das Wetter war super sonnig, und wir lagen gut in der Zeit. Wir hatten noch nicht ganz unsere Nudeln  (mal wieder ;-) aufgegessen, als sich Lena, Ulla, Markus und Daniel zu uns gesellten. Da wir insgeheim wussten, dass wir „das Rennen“ machen wollten, hielten wir uns auch nicht mehr lange auf und machten uns weiter auf den Weg. Die nächsten ca. 500 Höhenmeter wurden auf Asphalt vernichtet, dann erblickten wir den Lago di Ponte Pià.

Succo di mele e agua
zur Abwechslung mal Pasta
die Satteltasche hat es hinter sich
Lago di Ponte Pià
Stenico

Nachdem wir hier kurz verweilt, den Ausblick genossen, und mal wieder an Dirks Bremse gefummelt hatten, fuhren wir die Straße weiter nach Stenico. Die Straße war wenig befahren und ging noch ein Weilchen leicht bergauf bis nach Stenico, wo wir dann so um 14 Uhr ankamen. Ab Stenico beschreibt der Albrecht mehrere Varianten, um zum Gardasee zu kommen. Da wir diese aber nicht einplanten, hielten wir uns nicht lange auf und fuhren weiter bis Villa Banale. Kurz nach Villa Banale überquert die „Ponte Sarca“ die Sarca. Dann ging es auf einer Bundesstraße rasant bergab. Der doch ziemlich schnelle Verkehr machte uns ziemlich nervös, und so verpassten wir auch prompt den Abzweig vor dem ersten Tunnel auf die alte Sarca Straße. Im Gegensatz zu dem Tunnel in den wir aus Versehen fuhren, als wir vom Gavia Pass kamen, war dieser beleuchtet. Der fließende Verkehr ließ uns auch nicht viel Zeit zum Aufregen, nur schnell raus da, riefen wir uns zu und ja nicht den nächsten Abzweig verpassen.

Bald geschafft !
Schlucht zur Sarca
Sarche
Da geht's gleich hin

Den Abzweig haben wir auch gefunden, und prompt war schon alles wieder viel entspannter. Wir hörten leise Autos im Tunnel durchrauschen und bestaunten diese alte Straße, die einst der Hauptverkehrsweg hier hoch war.  Hier holt die Natur sich zurück, was einst mal ihr gehörte. Überall in dem alten Straßenbelag wucherten Gräser und Wurzeln, Sträucher machten sich breit. Wir hielten an und glotzen hinab in die Schlucht, auf die Sarca, und sahen in der Ferne den Ort Sarche.

Die alte Straße führte uns sicher hinab bis kurz vor Sarche. Dort wechselten wir wieder auf die Bundesstraße und rollten schnell nach Sarche runter, nur weg von der Straße ... Nachdem wir in Sarche die Sarca erneut überquert hatten hielten wir uns unmittelbar rechts und bogen auf die „Pista Ciclabile Valle del Sarca“ ein .

Pista Ciclabile Valle del Sarca
Passend zum Outfit
Marroche
Immer diese Hindernisse

Hier auf dem Radweg war es auch wieder viel ruhiger. Der gut ausgebaute Weg führte uns fast ebenerdig durch reichlich Grün, rechts und links streckten sich Olivenhainen, Weingärten und Obstbäume. Die Gegend erinnerte mich an die Mediterrane Gegend aus Spanien, wo ich früher wohnte.

Entlang der Sarca führte uns der Weg bis Pietramurata. Von dort aus ging es weiter durch die Steinwüste von Marroche. Die Umgebung gefiel uns hier gar nicht, also am besten schnell weiter. Wahrscheinlich merkt man auch schon am schreiben, dass wir es heute eilig hatten ;-) Nichts kann uns noch aufhalten, wir rochen quasi schon den Gardasee. Doch wir hatten mal wieder Pech.

Auf einmal versperrte uns ein riesen großes Tor die Durchfahrt über eine Brücke. Wir studierten Karten, Roadbook und GPS und waren uns einig, dass unser Weg dort durch führen müsse. Die einzige Alternative, die es hier gab, wäre ein ganzes Stück wieder bergauf zu radeln. Das war für uns keine Option, also wurde improvisiert... Mit einem gewissen Restrisiko entschieden wir, über die Absperrung zu klettern. Es gab keine Garantie, dass wir nicht gleich schon wieder ein Hinderniss finden würden; die Absperrung war sicherlich nicht ohne Grund dort angebracht.

Während wir noch rätselten was uns als nächstes erwarten würde, sammelten sich auf der anderen Seite der Sperrung weitere Mountainbiker, die uns verblüfft durch den Zaun anschauten. Wir halfen ihnen auch noch über den Zaun und machten uns zusammen weiter auf den Weg. Laut GPS waren wir (mal wieder) auf der Via Claudia Schwer und gleichzeitig auf der Pista Ciclabile Valle del Sarca. Passt, oder doch nicht? Wir radelten weiter, und schon nach der nächsten Kurve stießen wir auf das nächste Hindernis. Die Straße komplett aufgerissen und mitten drin einige Baumaschinen eifrig am Baggern. Irgendein Vorarbeiter kam auch schon kopfschüttelnd auf uns zu und signalisierte, das wir zurückfahren sollten, aber wir blieben stur. Wir waren insgesamt 6 Biker, das machte den Vorarbeiter etwas stutzig und er fing an nachzufragen, ob jemand das Tor aufgelassen hätte. Aufgrund der Kommunikationsprobleme und der Tatsache dass wir keine Anstalten machten umzukehren, lenkte er ein und signalisierte uns weiterfahren zu dürfen. Das passte dem Baggerfahrer aber nicht in den Kram und der schwenkte eifrig weiter seine Schaufel. Dann aber wurde ein Machtwort gesprochen und die Arbeiten kurz eingestellt, damit wir passieren konnten. Glück gehabt! So haben wir uns einige Höhenmeter gespart und eine Fahrt entlang der Straße. Jetzt aber Endspurt! Die anderen Biker wollten auch nach Torbole; dennoch verloren wir uns schnell aus den Augen. Wir zu schnell? die zu langsam? Wahrscheinlich sind sie weiter auf der Via Claudia gefahren. Egal... Nach dem Zwischenfall waren wir auch schon in Dro.

Badegäste bei Cenico

Ab Dro ging es durch einige Olivenhaine durch. Wir machten Tempo, so gut es ging und waren gegen 15:45 in Ceniga. Hier sahen wir die ersten Badefreunde, die sich an einen Kieselstrand an der Sarca die Sonne auf den Bauch schienen ließen und das kühle Nass genossen. Das Wetter war so angenehm warm, dass wir auch Lust verspürten, ein Ründchen zu schwimmen... später...  es kann nicht mehr weit sein, 15-20 km noch? Wir tritten wieder in die Pedale, und keine 10 Minuten später waren wir in Arco. Wir durchquerten den Ort und kamen wieder auf den Radweg an der Sarca (Pista Ciclabile Valle del Sarca). Wir boten dem Gegenwind die Stirn und lieferten uns auf den letzten Kilometern ein Wettrennen. Tja... und dann war es auf einmal vorbei...

Ziel erreicht: der Gardasee
Das Ghost hat gute Dienste geleistet

Plötzlich und unerwartet waren wir in Torbole. Wir überquerten die Via Matteotti. So wie sich die Autos hier in Richtung Ortsausgang stauten, war dies die Hauptverkehrsader der Stadt. Stinkende und lärmende Autos, Mann, wie haben wir das vermisst ;-)

Wir rollerten noch ein wenig den Radweg weiter und kamen um 16:15 Uhr an der  Mündung der Sarca in den Gardasee an. Ziel erreicht! Etwas bewölkt war es, und sehr windig, dennoch bot sich uns ein gigantischer Blick über den See, auf dem sich viele Windsurfer austobten.

Zwar hocherfreut, den Alpencross geschafft zu haben war ich dennoch etwas entäuscht, so plötzlich am Ziel zu stehen. So unerwartet, hatte ich doch irgendwie gehofft, den Gardasee von einigen hundert Metern weiter oben zu erblicken. Wir blickten auf die letzten Tage zurück und lobten uns gegenseitig über diese für uns gigantische vollbrachte Leistung.

Strand von Torbole

Wir rollerten am gut befüllten Strand entlang auf der Suche nach dem Hotel Casa Morandi. Das hatten wir uns vor der Tour ausgesucht, leider war es ausgebucht. Der Albrecht empfahl zwar das Hotel Elisabetta, aber wir wollten nicht lange suchen und nahmen das erst beste, es wurde das Hotel Garni New Garden, mit schönem Ausblick auf die Via Matteotti ;-) . Gegen 18 Uhr nutzten wir die letzten Sonnenstrahlen, die der Tag noch her gab und planschten genüsslich im Pool. Nach dem wohlverdienten Bad und anschließender Dusche gingen wir in die Stadt, ein bisschen Bummeln und unsere Wunden lecken :)

so haben wir uns den Abschluss vorgestellt
Mountainbiker bräune
ihr habt jetzt mal Pause

Während unseres Rundgangs kauften wir uns erst mal die geplante „Sieger Zigarre“, um unseren Triumph zu feiern und fassten dabei einige Lokale in die engere Auswahl, fürs süätere Essen. Wir fanden es passend, ein Lokal mit Blick auf den Gardasee zu suchen und ergatterten auch einen der sehr beliebten Terrassenplätze. War das schön, nach all diesen Höhenmetern endlich hier zu sitzen und den Sonnenuntergang zu genießen.  Eigentlich sollten wir erschöpft sein, aber unsere Nerven wurden so mit Endorphinen überschüttet, dass wir noch bis sehr spät in das Nachtleben von Torbole eintauchten. Auf den Weg durch die Nacht trafen wir auch Ulla und Lena wieder die es sich mit einer Pizza am Strand gemütlich machten. Wie klein die Alpen doch sind. Wir plauderten noch etwas über die Ereignisse der letzten Tage, verabschiedeten uns dann und zogen weiter. Irgendwann, nach etlichen Nastro Azzurro und viel besseren Mojitos als in Garmisch, fanden wir dann auch endlich den Weg ins Bett.

Am Gardasee
Die Pasta schmeckt halt überall anders
Gipfelstürmer Siegeszigarre
Gute Nacht Cocktails