Tag 7: Pezzo(I) – Madonna di Campiglio(I) (64 km - 2459 hm)

so fühle ich mich heute morgen...
Frühstück und Albrecht Transalp Finisher Trikots
So erwacht man gerne
Frühstück bei Yuri

Dirk’s Wecker klingelte wieder mal um 6:00 Uhr. Ich fühlte mich wie gerädert, als wenn ich die ganze Nacht durchgesoffen hätte. Wir gingen frühstücken, und ich wurde schon wieder nervös, als Dirk sich das Frühstück extrem gut schmecken ließ und sich dementsprechend viel Zeit dabei ließ. Wir kamen dann aber doch noch vor den anderen Yuri Gästen auf die Piste.

Unser erstes Tagesziel sollte das Refugio di Bozzi sein, ca. 1.000 hm am Stück, und das nach dem Frühstück. Müde und Kalt… Yuri sagte uns, dass das Refugio ein Kumpel von ihm führte und wir uns dort einen Grappa trinken sollten. Toll, das lässt uns aber auch nicht da hoch schweben.

Bereits nach den ersten 300 bis 400 Höhenmetern, bei Case di Viso, sahen wir auch schon Markus & Daniel ankommen. Und Thorsten, der auch bei Yuri übernachtet hatte, nachdem er als Untermieter bei einem der Gäste noch zu später Stunde Unterschlupf gefunden hatte. Lustiger Kerl, der Thorsten, Ihm haben wir wohl zu verdanken, dass wir diesen Tag gut gelaunt überstehen. Mit seiner guten Laune, Witz und Charme wird er uns heute begleiten und die gute Stimmung über Wasser halten :-)

Case di viso
was kommt denn da ?
traumhaftes Wetter, fast zu Heiß für den Aufstieg
Da gaaaanz hinten ist Pezzo
Gleich oben ...
Zu viel Sonne abbekommen?
Rifugio di Bozzi
Gipfelstürmer: Ich, Thorsten & Dirk

Gegen 10:30 trudelten wir am Rifugio di Bozzi ein. Ulla & Lena  waren schon da und ließen es sich in der Sonne gut gehen. Morgenstund hat Gold im Mund? Immerhin hatten sie schon 200 Höhenmeter mehr als wir auf dem Buckel, Respekt.  Wir beschlossen hier auch eine kurze Rast zu machen, ca. 100 Höhenmeter trennten uns noch vom Pass auf die andere Seite, mit bis zu 40% Steigung !!!

Hier beim Rufugio gab es Überreste von Schützengräben, Stellungen und Kriegsbauten, unter anderem vom Gebirgskrieg 1915-1918 im Ersten Weltkrieg. Und hier, wo die Italiener sich die Köpfe mit den  Österreichern und anderen einschlugen strampeln wir uns gerade den Berg hinauf. Heute war es jedenfalls ein sehr schöner Schauplatz bei idealen Wetterbedingungen.

Das nutzte Thorsten auch direkt aus und stürzte sich nackt in den Tümpel am Rifugio di Bozzi, ich zögerte und überlegte, ob ich es ihm nach machen sollte. So ein erfrischendes kühles Nass bei der Hitze tut sicher gut. Aber ich hielt inne, das Wasser war mir zu kalt!

Ein paar Meter noch ...
Forcellina di Montozzo
Da geht's gleich irgendwo runter :)
Im Hintergrund der Lago Pian Palu
Thorsten
Wacklige Angelegenheit
Entspannung auf dem Weg nach unten
Am Lago Pian Palu

Nachdem wir oben bei Forcellina di Montozzo auf 2.613 Meter angelangt waren, wurden wir belohnt mit einer unbeschreiblich schönen Aussicht. Und noch mehr mit den anschließenden Trails, die uns hinab ins Valle del Monte zum Lago Pian Palu führen werden. Hier kommen Techniker voll auf ihre Kosten. Und auch faszinierend anzusehen, wie fix Thorsten sich mit seinem Starrgabel Bike auf ins Tal machte. Ein Teufelskerl, ihn scheint nichts abzuschrecken. Nachdem wir über kuriose Brückenbauten einige Bäche überquert hatten gelangten wir auf einen schönen Wald- und Wiesen-Trail, der uns bis an den Lago Pian Palu führte.

Ossana
Thorsten und seine Grappa Sammlung
Pasta to Go

Vom See aus wollten wir einen Trail durch den Wald fahren. Zumindest hatten wir da etwas drüber gelesen im Albrecht Roadbook. Aber irgendwie haben wir diesen verpasst. Bis Peio Fonti vernichteten wir so einige Höhenmeter auf Asphalt und freuten uns über die Abfahrt. Gleichzeitig grausten wir uns vor dem anstehenden Anstieg nach Madonna di Campiglio. Bis dorthin sind es noch mindestens 1000 Höhenmeter. Nur gut, dass Thorsten fast den ganzen Tag über der Meinung war, wir sind gleich da. Und wir glaubten das auch noch ;-)


Von Peio Fonti ging es auf Asphalt weiter zügig abwärts in Richtung Cogolo. Hier kamen unsere ersten Bonushöhenmeter des Tages zum Einsatz, als wir in einer Kehre die Einfahrt zum Radweg des Val di Sole verpasst hatten. Der Radweg führte uns am Torrente Noce entlang bis Fucine. Es ging immer weiter abwärts. Wir wollten gar nicht weiter runter, denn wir wussten, dass wir wieder nach oben müssen. Immer noch mindestens 1000 Höhenmeter …


Auf dem Weg nach Ossana hielten wir an der Fonte di Sant Antonio. Heiliges Wasser? Das kann ja nur Kräfte verleihen, also füllten wir unsere Flaschen wieder auf. Wir wussten, dass wir das noch brauchen würden. Thorsten schien andere Sachen zu brauchen, denn seit Pezzo klimperten einige Grappa- und Weinflaschen in seinem Rucksack :o) Wie war das nochmal mit dem Richtwert von 6,5 Kg Rucksack für eine Alpencross? Drauf geschissen!, genau …


14:30 Uhr war es als wir in Ossana durchradelten. Wird Zeit für Mittagessen, also legten wir eine Pause ein. Wir fanden eine Art Schnellimbiss , das passte uns gut. Was wir bisher gesehen hatten, waren nur Restaurants, und wir wollten ja nur ein Snack und weiter... Es gab überwiegend Pasta im Angebot, welche wahrscheinlich in der Mikrowelle aufgewärmt wurde. Im Laden selber konnte man auch noch zahlreiche Grappa und Süßigkeiten kaufen. Da wurde Thorsten wieder schwach und fügte seiner Flaschensammlung noch eine weitere hinzu. "Geburtstagsgeschenk für eine Freundin am Lago Ledro", sagte er. Die wollte er dort besuchen. Auch das glauben wir ihm einfach mal, so wie die Tatsache „das es bis Madonna nicht mehr weit ist“.

Nach den ersten Höhenmetern ab Dimaro ..
Fix und alle
Hinter der nächsten Kehre liegt Madonna ?

Wir rollten über gut ausgebaute Radwege in Richtung Dimaro, kreuzten dabei noch 1-2 mal die Noce, erfreuten uns am schönen Wetter, und dann war Schluss mit lustig. Ab Dimaro ging es so richtig los. Wir ahnten schon Schlimmes und dachten, wir müssen die anstehenden ca. 1.000 hm auf Asphalt hochziehen, bei Autoverkehr und Serpentinen sicherlich kein Spaß. Trostpflaster für uns war ein gut ausgebauter MTB Weg, der uns hinauf nach Madonna führen sollte.


Hier kamen wir wieder ordentlich ins Schwitzen und Schnaufen, zumindest Dirk und Ich,... Thorsten, der uns eigentlich in Dimaro verlassen wollte, und sich dann entschloss, uns noch bis Madonne di Campiglio zu begleiten, strampelte fröhlich neben uns her und erzählte Geschichten. Ich hab sein Rucksack mal in der Hand halten dürfen, gefühlte 12 kg, davon bestimmt 3 kg durch Flaschen mit irgendwelchen alkoholischen Flüssigkeiten. Ein Teufelskerl …

Und er sagte immer wieder, dass es nicht mehr so weit sein kann. Und als ich schon gar nicht mehr wusste woher ich noch Luft holen sollte, war ich immer guten Glaubens und hab alles gegeben.  Nur um dann hinter der nächsten Kehre zu sehen, dass es doch noch weiter hoch geht und noch kein Ort in Sicht ist. Dirk war auch schon sichtlich angeschlagen, aber es nützt alles nichts, wir müssen da hoch … Der Anstieg wollte gar nicht enden ...

Und dann endlich war es doch soweit, wir waren oben! Thorsten war uns schon vorausgeeilt und machte oben ein Päuschen, während die letzten warmen Sonnenstrahlen herabfielen. Dann kam auch schon Dirk, und nach kurzer Verschnaufpause ging es dann direkt weiter. Endspurt bis Madonna…

Hotel Ariston
Madonna di Campiglio
Feierabendbier : -)

Als wir am vom Albrecht empfohlenen Hotel ankamen, verabschiedeten wir uns von Thorsten. Touri-Orte wie Madonna wären nichts für ihn, er wolle noch in den Sonnenuntergang radeln und dann irgendwo abseits Unterschlupf in einer Scheune finden. Nicht kaputt zu bekommen, der Kerl :)   Wir tauschten zwar E-Mail Adressen, aber bis Dato kam leider kein Kontakt mehr zustande, ich hoffe nicht, dass er verschollen gegangen ist.


Das Hotel Arnica war ausgebucht. Man verwies uns an das befreundete Hotel Ariston, zwar mit ziemlich heftigem Preis für Übernachtung (um die 70 EUR p.P.), aber wir hatten keine Lust mehr, uns noch im Ort umzusehen. Wir waren platt, und waren uns auch einig, dass der heutige Tag bisher der schwerste für uns war. Ob es an den steilen Anstiegen lag oder daran, dass unsere Alpencross Kräfte langsam aufgebraucht waren, wussten wir nicht. Nur eins wussten wir: Wir würden heute keinen einzigen Meter weiter radeln. Kurz nach uns würden auch Markus & Daniel, und Ulla & Lena noch im Arnica eintreffen. So sieht man sich also wieder, kleine/große Albrecht Familie :)

Nach einer ordentlichen Dusche und einem mehr oder wenigen anständigen Essen (also in Grosio gab es z.B. viel mehr, leckereres und günstigeres Essen) beschlossen wir in die Stadt zu gehen auf ein Bierchen. Das hatten wir uns verdient, oder? Hinter uns ca. 11.000 Höhenmeter, noch vor uns ca. 900, ein Spaziergang eigentlich :)  Diese Feststellung reichte dann auch, um das 2te und 3te …. Bier zu begründen. Wir können morgen auch etwas später starten, bis Torbole ist es nicht mehr weit… Nicht mehr weit? Wo hab ich das heute schonmal gehört? Thorsten… Mensch, ja da war was, und das war gut, ohne seine gute Laune und seine motivierenden Sprüche, wäre ich wohl heute noch irgendwo auf den Anstieg nach Madonna zusammengebrochen.


Schwankend ging es zurück ins Hotel, einem wohlverdienten Schlaf entgegen.