Tag 4: Ischgl (AT) - S-Charl(CH) (51 km - 1861 hm)

Muh macht die Kuh

Dirks Wecker klingelt um 6:00 Uhr, meiner um 7:00 Uhr , die gleiche Prozedur wie jeden Morgen beginnt: Rucksack packen, anziehen, Frühstücken… Den Rucksack räumten wir abends immer komplett aus, damit die Klamotten auch mal ein bisschen an die Luft kommen, und wir nicht lange nach dem Zeug suchen mussten das wir abends brauchten (also Abendkleidung, Waschzeug, Ladegeräte für unsere Garmins und Handys). Nach dem Frühstück ging ich mein Rad abholen, und wir trafen uns an der Seilbahnstation, um uns von dort zur Mittelstation shutteln zu lassen. Der Tag begann trocken, aber es war etwas fröstelig, und noch feucht von dem Regen in der Nacht. Aber schnell wurde klar dass es ein schöner Tag werden würde, bereits um 9:00 Uhr riss die Wolkendecke auf und ließ einen wunderschönen blauen Himmel frei, Sonne inklusive.

Nach den ersten 100 Höhenmetern war auch klar, dass heute Arm.-/Beinlinge überflüssig sein würden, also fix ausgezogen, den Windbreaker am Rucksack festgeschnürt und ab in den Süden… der Sonne hinterher … Die Bodenalpe liegt auf 1848 hm, der Fimberpass auf 2608… puhh… am besten gar nicht dran denken … Ab der Bodenalpe beginnt eine Schotterpiste, teils etwas steil, aber gut fahrbar bis zur Heidelberger Hütte.

Grüne Grenze zur Schweiz
Weg zur Heidelberger

Keine 5 km von der Bodenalpe entfernt lag uns auch schon die Grenze CH-A vor dem Rad, und mit der Sonne im Nacken ließ es sich deutlich angenehmer radeln.

Mit Dirk machte ich vorne die Pace, angenehmes Tempo um den Aufstieg zur Heidelberger Hütte zu genießen. An der Grenze viel mir schon wieder auf, dass ich die Baumgrenze ins hochalpine Gelände schon wieder verpasst habe. "Mist", an der Bodenalpe waren doch noch Bäume,... irgendwo muss es doch einen Übergang gegeben haben?. Beim nächsten An/Abstieg besser aufpassen…

Heidelberger in Sicht
auf zum Fimberpass!

An der Heidelberger Hütte rasteten einige Mountainbiker, die uns beim Aufstieg kurz nach der Bodenalpe überholt hatten. Wir fuhren an der Heidelberger Hütte an ihnen vorbei. Betrieb herrschte in der Hütte keiner, es waren wohl schon alle ausgeflogen. Es ging weiter über eine kleine Brücke, ab da musste erst mal kräftig steil bergauf geschoben werden. Verspielt wie ich bin versuchte ich da wo es irgendwie ging zu fahren (was Technik angeht, habe ich, ohne es zu merken, nach und nach auf diesem Alpencross dazugelernt, und irgendjemand sagte mir noch vor Reiseantritt, dass wir uns bei dem Trip zunehmend steigern würden. Recht gehabt ...

Der Pass ist die einzige Möglichkeit die Silvrettagruppe zu durchqueren, um von Österreich in die Schweiz zu gelangen. Ca. 1 Stunde gibt der Albrecht an für den Pass Aufstieg, nachgerechnet haben wir ca. 1,5 Std. gebraucht, beim Aufstieg wurden wir auch wieder von den Mountainbikern überholt, die eben noch in der Heidelberger Hütte rasteten. Warum diese Eile? Wir genießen den Aufstieg und lassen uns die Zeit, um mit den lustigen Murmeltieren zu plaudern. Auf der ganzen Transalp haben wir nicht so viele gesehen wie hier auf dem Weg zum Fimberpass, echt putzige Tierchen, hocken da im Gelände und beobachten uns depperten Mountainbiker, wie wir uns den Berg hochquälen.

Erstmals sehe ich ein Murmeltier Live
Hammer geiles wetter
Dirk beim Aufstieg zum Fimberpass
echt putzige Tierchen

Fimberpass: Die letzten Meter mussten wir schieben, doch dann wurden wir für unsere Mühen belohnt: ein beeindruckendes Panorama lag uns zu Füßen, sehr schön auch, dass die Sonne endlich mal richtig wärmte. So fing man bei einem Päuschen hier nicht direkt an auszukühlen. Nach dem Obligatorischen Passfoto-Stop sollte es weiter gehen, durch die klare Sicht konnten wir weit ins Tal blicken, und so auch den Pfad der uns hinabführen würde. Auf dem Höhenprofil sah die Abfahrt aber anders aus, frühestens hier wussten wir, dass wenn ein Höhenprofil anzeigt, das es runter geht, dies nicht zwingend heißt das man gemütlich runter rollen kann.

Mondlandschaft
Ein paar Meter vorm Fimberpass
Geschafft !!
Da geht's runter
Nochmal Wasser tanken bevors ab geht
Nur nicht abrutschen
Da kommen wir grad her
Die Alp Chöglias?

Ab dem Pass würde es nun ca. 500 hm runter gehen, bis zur Alp Chöglias. Für Könner wahrscheinlich kein Problem, z.B. für unsere Bekannten von der Heidelberger Hütte. Vom Pass aus konnten wir gerade noch so sehen, wie diese ins Tal sausten. Wir sind den Abstieg ziemlich gemütlich angegangen. Da wo keine Absturzgefahr drohte, habe ich auch wieder versucht zu fahren was zu fahren geht, mir auch hier und da mehr zugemutet(wenn keine Absturzgefahr bei Umkippen drohte) als ich eigentlich konnte, da lernt man auf dem Alpencross ständig was dazu. 

Vorbei an Abbruchkanten und ausgewaschenen Trails gelangten wir zügig zur Alp Chöglias, je tiefer wir kamen desto matschiger wurde auch wieder das Gelände, keine schöne Sache, aber hat ja auch keiner gesagt, dass dies ein Spaziergang wird.

An der Alp rasteten 2 Mountainbikerinnen, die wir am nächsten Tag wieder treffen beim Aufstieg zum Döss Radond im Val Mora. Vorbei an der Alp ging es über eine abenteuerliche Brücke, die einen Gletscherbach überquerte. Sieht schon lustig aus, so eine Brücke über dem Geröll, wo gar kein Waser drunter fließt. 

Dirk’s Fuß schien auf dem Weg der Besserung zu sein, dafür fing nun mein linker Fuß zunehmend an zu schmerzen, so richtig rund treten war heute irgendwie nicht drin, der muss einfach durchhalten... Nun aber geht’s erst mal weiter bergab, da muss nicht viel getreten werden.

Ziemlich holperig ging es weiter in Richtung Tal, vorbei an schönen Wäldern und Wiesen. Wie sehr sich doch die Landschaft geändert hat! Hier in der Schweiz scheint alles viel grüner zu sein, und es riecht ganz anders, auch die Kühe sehen ganz anders aus. Ich vermisse die schneebedeckten Berge, die oft auf den Schweizer Schokoladentafeln abgebildet sind. Die Abfahrt haben wir bei diesem schönen Wetter sehr genossen, in Gedanken versunken heizten wir den gut ausgebauten Feldweg weiter in Richtung Tal. Erst als wir schon in Vna waren bemerkten wir die Kursabweichung  die unser Garmin meldete, irgendwo vor Vna hätten wir scharf rechts abbiegen müssen, na toll, schon wieder Bonus Höhenmeter. ..

An der Abzweigung führte ein schmaler Wiesenpfad weiter runter, wir gleiteten also daher bis die schöne Wiese zu Ende war und ein Wurzel Trail vor uns lag. Wir probierten diesen zu fahren, aber es war alles zu glitschig und nass, und links ging es wieder tief in einen Abgrund. Keiner hat behauptet dass die Alpenüberquerung komplett fahrbar sei, also stiefelten wir den steilen Trail weiter runter in Richtung Val Sinestra. Nachdem wir die Brancla überquert hatten, standen wir vor einem schlossartigen Kurhotel.

Val Sinestra

Für Sparfüchse: Wer Kraft sparen will oder muss kann ab hier den Bus nehmen. Dieser fährt hoch bis S-Charl. An den Haltestellen standen Zeiten, die der Bus in etwa brauchen würde, um von A nach B zu kommen. War es wirklich Fahrzeit? Oder doch Wanderzeit? Die Zeiten gingen über Stunden. Während wir noch überlegten, was für Zeitangaben es sein könnten fuhren wir ab dem Kurhaus eine gute asphaltierte Straße hoch. Prompt überfuhr mich auch fast ein Bus, der um die Ecke kam. So langsam sind die also doch nicht….

Wir telefonierten kurz mit Andreas und Michael. Die waren uns ganz dicht auf den Fersen, kurz vor dem Wiesenweg, dessen Abbiegung wir vor Vna verpasst hatten. Hoffentlich verpassen die den nicht, nach Vna käme Ramosch, von dort aus müsste man weiter nach Sent. Höhenmetermäßig würde sich laut Karte nichts tun, aber ob landschaftlich das gleiche geboten wird?

14:00 Uhr Mittagspause in Scoul

Hoch über dem Inn-Tal ging es weiter über eine schöne Naturstraße, und in der Ferne sahen wir schon Sent. Schon ist gut, wir hatten mittlerweile kurz nach zwei, und wir wollten versuchen bis Lü zu kommen. Bis dahin aber sind es ab hier noch ca. 39 km und an die 1000 hm. Wir beschlossen, in Sent oder in Scoul Mittag zu machen. Nachdem wir durch die schnelle Abfahrt in Sent quasi durchgerauscht waren, hielten wir in Scoul, einem recht großer Ort, scheinbar sehr auf Tourismus ausgelegt. Wir bezogen die Sonnenterrasse eines Lokal und gönnten uns eine Gulaschsuppe. Die Pause hielten wir recht kurz, weil wir ja noch Einiges vor hatten. Dennoch tat die kleine Mahlzeit sehr gut; wir fühlten uns schon etwas müde.

Brücke über der Inn

Wir fuhren aus Scoul raus. Eine Brücke führte uns über die Inn, und wir hielten hier noch einmal kurz, um die Aussicht zu genießen. Keine 800 Meter weiter verfluchten wir den nächsten Anstieg und fragten uns, warum die Anstiege eigentlich immer nach der Pause sein müssen. Kurz bevor es richtig knackig wurde meldeten sich Andreas und Michael vom Kurhaus aus, welches ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde hinter uns lag. Alles im grünen Bereich. Auf geht’s…und wie so oft bei diesem Alpencross: Bergaufwärts.

Schweigend machten wir uns auf den Weg, 14 mm und knapp 570 hm trennten uns von unserem nächsten Zwischenziel: S-Charl. Fast durchgängig 10% Steigung mussten wir hier bewältigen. Auf der gut asphaltierten Straße konnten wir relativ konstant treten. Das gefiel meinem Fuß nicht wirklich, aber da musste ich durch. Die Sonne hatte den ganzen Tag so geknallt, dass wir froh waren, bei diesem Anstieg im Schatten der Bäume fahren zu können. Diese siedelten sich zu einem recht dichten Wald auf dem Hang an. Heute bis Lü zu kommen wäre eine Hammer Leistung, aber tief in mir glaubte ich nicht daran. Wir waren ja jetzt schon fix und fertig. Das schluchartige Tal, das sich hier entlang des Bachs erstreckte, bot kein wirklich tolles Panorama. Die Asphaltstraße endete kurz nach einem Tunnel, und es ging weiter über eine breite Naturstraße. Die Naturstraße überquerte einige Schotterreissen. Hier möchte ich nicht sein, wenn der Berghang sein Geröll freigibt und sich einen Weg ins Tal sucht. Schön sieht das nicht aus, fast so als hätte jemand absichtlich den Hang gesprengt. Wir kamen S-Charl näher, und mit jedem Höhenmeter wurden wir müder. Die Körner für heute waren scheinbar verschossen. In S-Charl würden wir erst mal Rast machen, einen Kakao trinken und dann weiter sehen.

Auf dem Weg nach S-Charl
Ankunft in S-Charl
Verdient, jawohl!
Wärmende Sonne

Um 17 Uhr kamen wir in S-Charl an. Die Sonne zeigte sich noch immer von ihrer schönen Seite und wärmte mich wohlfühlend. Ohne lange zu überlegen kehrten wir ins erste Lokal ein, das Hotel Mayor am Ortseingang. Ortseingang ist gut, denn nach dem Hotel kam noch ein weiteres Hotel und dann der Ortsausgang. Nachdem wir einen warmen Kakao getrunken hatten, ließen wir uns noch jeder 1 Liter Apfelschorle und einen Pfannkuchen bringen, das tat gut! Die Sonne entfernte sich langsam vom Horizont, und wir mussten jetzt überlegen, ob wir hier bleiben oder noch weiter bis Lü ziehen. Noch 450 Höhenmeter wären es bis zum Pas de Costainas, ab dort 325 Meter abwärts bis Lü, nur was heißt abwärts? Das könnte alles sein… Allein für den Anstieg zum Pass würden wir ca. 2 Stunden brauchen, also um ca. 20 Uhr mitten im Nichts aufschlagen. Wir waren uns einig: Wir bleiben in S-Charl.

Wir telefonierten mit Andreas und Michael, dort sah die Lage nicht besser aus. Sie befanden sich in Scoul, die Körner auch aufgebraucht, aber das war nicht alles. Ein Defekt an Andreas' Bike und die traurige Mitteilung, dass sie den AlpenX abbrechen, sich heute in Scoul einquartieren und am nächsten Tag die Heimreise antreten würden.

Wir quartierten uns im Hotel Mayor ein. Leider, denn am nächsten Tag erfuhren wir, dass das Crusch Alba die bessere Wahl gewesen wäre. Allerdings waren beide Übernachtungsmöglichkeiten mit 70 EUR p.P. alles andere als günstig. Bevor wir aufs Zimmer gingen um ausgiebig zu duschen , säuberten und inspizierten wir unsere Bikes. Das Zimmer war sehr klein und dunkel, die Toilette war im Flur und nicht für Platzangstgeplagte. Die Dusche, die eine Etage tiefer war, lud auch nicht wirklich ein, um sich hier länger als nötig zu waschen. Kurz gesagt: die schäbigste und teuerste Unterkunft, die wir bisher hatten. Das Abendessen war gut, allerdings konnte einem auch hier wieder schlecht werden nach Durchsicht der Preise (z.B. Wienerschnitzel mit Pommes 18,90 EUR). Ganz schön teureres Pflaster, die Schweiz!

Bike Wash
Zimmer mit Aussicht
Schöne Aussicht ,-)
Kaufinteresse ?