Tag 3: Heilbronner Hütte - Ischgl (35 km - 590 hm)

Bike-Garage der Heilbronner
Wetter sieht gut aus, die Abfahrt auch

Das Frühstück fiel in der Heilbronner Hütte etwas spärlich für meinen Geschmack aus, vor allem fehlte der Kaffee Nachschub. Wenn wir uns bei einer Sache einig waren dann darüber dass ohne reichlich Kaffee morgens kein Antrieb da sein würde ;-) Da wir uns für heute nur den Rest der gestrigen geplanten Etappe vorgenommen hatten, konnten wir den Tag ohne Zeitdruck gelassen angehen. Gegen halb zehn holten wir unsere Bikes aus der Garage, blickten kurz zum Himmel. Dieser ließ schönes Wetter erhoffen, prima, also los.

Die Abfahrt von der Heilbronner Hütte sollte traumhaft sein, und so war es auch. Die Abfahrt in Richtung Kops Stausee hat richtig Spaß gemacht. Hier und da hielten wir nochmal an um ein paar Fotos zu machen. Gerade beim Bergabfahren sollte man sich die Zeit nehmen, denn wenn die Anstiege zur Qual werden vergisst man schonmal das Panorama zu genießen ;-)

Nach den Kops Stausee ging es eine Weile auf der Straße bergauf. Kurz vor oben ging es links rein, direkter MTB Weg nach Galtür, und, nur für „bergfahrende Radfahrer“ laut Schild. Die Abfahrt nach Galtür ging ratz fatz, der Himmel ließ die Sonne immer wieder ein bisschen durchschimmern. Ein schöner Tag.

Biker4Fun
Kops Stausee

In Galtür trafen wir einige MTBler welche auf der Joe-Route unterwegs waren. Nach kurzem Plausch fuhren wir weiter. Ab Galtür ging es gute 200 m bergab auf gut fahrbarem Bike Weg entlang der Trisanna und der Silvretta Bundesstrasse bis Ischgl runter. Dann war die Abfahrt zu Ende. Es folgte noch ein schöner Trail durch ein nettes Wäldchen, und dann auf einmal ging es wieder hoch…

Vor mir ein steiler, schotteriger, mit dicken Steinen übersähter Anstieg, als wenn man gegen die Wand fahren würde. Seit der Heilbronner haben wir gerade mal 200 hm hinter uns gebracht, kommen jetzt etwa die restlichen 350 hm am Stück, bis zur Bodenalpe? Leider ja … bei dem Gedanken vergaß ich auch prompt einen Blick auf Ischgl zu werfen, welches etwas weiter unten friedlich schlummerte. Da war ich mir auch noch gar nicht so bewusst dass es Ischgl war ;-)

Der Schotter Anstieg dauerte zum Glück nicht so lang. Kurze Zeit später waren wir schon auf dem steilen Asphaltanstieg ins Fimbertal unterwegs. Die richtige Bergwertung für mich Bergziege, zwar steil, aber auf Asphalt. Da kann man dann doch besser den Berg hochziehen. Nach den ersten Metern wurden dann erst Mal der Windbreaker und die Ärmlinge ausgezogen, und dann gebissen und weiter gebissen. An der Mittelstation der Fimbabahn (man hätte auch bis Ischgl runter radeln können und mit der Fimba Bahn bis Mittelstation hochfahren können, aber wozu? Wir haben doch Räder dabei...) dachte ich schon das Schlimmste überwunden zu haben. Aber nein,...

Weiter beißen, ich dachte mir „nur nicht absteigen, dann ist es vorbei“. Genervt von Baustellen LKW’s die auf und ab fuhren, und geschmeichelt von den Wanderern, die mich anfeuerten sah ich dann in der Ferne die Bodenalpe. Ein kurzer Blick nach hinten verriet mir dass ich alleine unterwegs war. Am Berg bin ich stark, das wusste ich. Wäre auch schade gewesen, wenn die ca. 2.500 km und 25.000 hm Training in den vergangenen Monaten nichts bewirkt hätten. An der Bodenalpe angelangt genehmigte ich mir erstmal einen heißen Kakao. Und während ich auf die anderen wartete, schaute ich der Sonne zu wie sie sich zunehmend durch die Wolkendecke zwang.

Richtung Ischgl
Aufstieg zur Bodenalpe
die Bodenalpe
Bodenalpe Bikeparkplatz
Lagebesprechung
der Unglücksrabe

Halb zwölf war es, die Bodenalpe viel früher als gedacht erreicht. Vielleicht könnte man das Tagesziel doch noch etwas weiter ziehen um noch etwas Strecke zu machen. Das Wetter schaute auch ganz ordentlich aus, bis jetzt. Nachdem wir uns gesammelt hatten, genossen wir erstmal eine kleine warme Mahlzeit und besprachen den weiteren Verlauf.

Jetzt hier an der Bodenalpe den Tag ausklingen zu lassen dürfte ziemlich öde werden. Wir studierten das Kartenmaterial und das Roadbook. Vom Höhenprofil her müssten wir es heute noch über den Fimberpass schaffen, und dann würde es nur noch bergab gehen. Sent oder Scoul sollten machbar sein. Also anziehen, nochmal Pipi machen und los…. Oder doch nicht?

Bedenken von Michael und Andreas erforderten ein weiteres Gespräch, in dem unsere unterschiedliche Kondition angesprochen wurde, und die unterschätzte Kraft, die die Berge ständig forderten. Abbruchgedanken machten sich breit, auch Dirk erwähnte nochmal seinen Fuß, der immer wieder schmerzte. Zum Fimberpass könnten wir es noch probieren. Wenn auf dem Weg dorthin die Körner ausgehen oder Schmerzen auftreten sollten, könnten wir zurück nach Ischgl rollen (Am nächsten Tag waren wir froh, dass nicht gemacht zu haben; gemütlich zurückrollen nach Ischgl wäre alles andere als gemütlich geworden).

Wir einigten uns darauf dass wir es am nächsten Tag mit ausgeruhten Kräften wie geplant weiter angehen würden. Über den Fimberpass in die Schweiz, und dabei versuchen, Zeit aufzuholen. Beim jetzigen Stand der Dinge würden unsere 2 Puffertage nicht ausreichen, um rechtzeitig am Gardasee zu sein. Um uns nicht an der Bodenalpe den Rest des Tages langweilen zu müssen, beschlossen wir kurzer Hand nach Ischgl abzufahren, uns dort ein Zimmer suchen, den Nachmittag ein bisschen in der Stadt zu bummeln, und dann am nächsten Morgen mit der Fimbabahn zur Mittelstation zu fahren. Ab da würden wir dann die 150 hm bis zur Bodenalpe wieder hochfahren und ab da wie geplant weiter. Also los…

ISCHGL
Unser heutiges Zuhause

Die Abfahrt von der Bodenalpe nach Ischgl war rasant schnell. Die Bremsen glühten, und der Fahrtwind presste ein Grinsen ins Gesicht. Nachdem wir uns beim Touristik Infocenter erkundigt hatten, schlenderten wir durch die Stadt auf der Suche nach Unterkünften. Die Gelegenheit nutzte ich, um mein Bike in Ischgl nochmal durchchecken zu lassen. Schon bei der Abfahrt von der Heilbronner Hütte merkte ich, dass mein Bike vorne kaum Bremsleistung hatte. Ich ließ das Rad beim Händler und würde es am nächsten Morgen abholen, 30 EUR kostete mich der Bremsbelag-Wechsel inkl. Beläge und Einstellen der Schaltung. Bis so um 18:30 haben die Geschäfte in Ischgl offen, falls also hier in der Nähe mal was kaputt gehen sollte ist Ischgl eine gute Anlaufstation um Ersatz zu besorgen. Wir fanden auch schnell eine Unterkunft für den heutigen Tag, das Gästehaus Val-Gronda. Dort bezogen wir 2 Doppelzimmer, sehr geräumig, mit Balkon und ordentlichem Bad mit Dusche, für 26 EUR inkl. Frühstück, und einer sehr netten Inhaberin.

Für Sparfüchse: Die Auffahrt mit der Fimbabahn am nächsten Morgen würde 7,80 EUR kosten. Zum Vergleich: eine Übernachtung in der Bodenalpe sollte 42 EUR kosten, wer also nichts gegen 150 ZusatzBonusSpezial Höhenmeter hat, der kann mit dem Gästehaus Val-Gronda 8,20 EUR sparen, und hat abends noch eine größere Auswahl an Gastronomie und Abendprogramm in Ischgl. Ischgl war zwar nicht unser planmäßiges Tagesziel, aber ich würde jederzeit wieder bevorzugt in Ischgl nächtigen.

Beim Abendessen gingen wir nochmal die Abbruchgedanken und unsere Pläne für den nächsten Tag durch. Wir verblieben so, dass wir es erst mal bis zum Fimberpass versuchen würden. Wenn Dirks Fuß das bis dahin mit macht, würde er weiter machen. So eine fiese Tragepassage wie am zweiten Tag sollte es laut Albrechts Roadbook nicht mehr geben, auch Michael und Andreas wollten es bis zum Fimberpass schaffen und dort dann mal weiter schauen. Jeder würde sein Tempo fahren, und im Verlauf des Tages würden wir dann nochmal Fazit ziehen. Während des Essens fing es wieder an zu regnen, aber das kümmerte uns wenig, denn am nächsten Tag würde endlich die Sonne scheinen (Wunschdenken ;-) ) … Ich teilte mir das Zimmer mit Dirk, und gegen 00:00 Uhr fanden wir dann auch in den Schlaf, und zwar so dass wir uns mit dem gegenseitigen Schnarchen auch nicht daran hinderten, Dirks Ohropax sei Dank.