Tag 2: Landeck - Heilbronner Hütte (50 km - 1689 hm)

Päusschen am Verwallsee

Es hatte die Nacht durchgeregnet. Beim Frühstück beobachteten wir das Wetter. Feiner Nieselregen, zu fein um schon Gebrauch der Regenklamotten zu machen. Unsere Entscheidung fiel auf Ärmlinge und Windbreaker, das sollte reichen um den feinen Regen abzuhalten. Von Landeck aus ging es eine ganze Weile eine gut befahrene Landstraße hinauf, um dann bei Pians auf die Arlberg Ersatzstraße zu wechseln. Die Wolken hingen tief und ließen alles grau wirken. Wir waren auch noch keine 2 Stunden unterwegs, als uns ein unschöner Platzregen erwischte, der war Gott sei Dank nur von kurzer Dauer war. Ca. 500 hm waren es von Landeck aus nach St. Anton am Arlberg, ca. 2240 und 78 km insgesamt war unser heutiges Ziel (Hütte Bodenalpe)... noch ziemlich fern…

Vom Regen etwas durchnässt pausierten wir in dem vom Albrecht beschrieben Supermarkt, der direkt an der Strecke lag (Vorsicht Schlemmer Paradies ;-)

Hier konnten wir schön sitzen und uns etwas wärmen. Diese Pause wurde dann auch schon unsere vorgezogene Mittagspause, denn ab hier würde erst mal nichts mehr kommen. Nach der Pause bummelten wir noch kurz durch St. Anton in das eine oder andere Sportgeschäft, um für Micha nach Ärmlingen Ausschau zu halten. Der Ort ist recht groß und an Sportmaterial und Bike Händlern fehlt es hier nicht. Falls es also noch etwas zu besorgen gibt, dann hier, denn die nächsten 30-40 km und 800-900 hm werden einsam.

der Verwallsee ...
lädt ein zum Verweilen...

Die alte Arlbergstraße führte uns auf knapp 2 km und 120 hm aus St. Anton heraus. Nun würde es weiter gehen in Richtung Verwall Tal, unser nächstes Zwischenziel auf dieser Etappe. Wir folgten dem für PKW mautpflichtigen Verwallweg in Richtung Verwallsee. Der gut asphaltierte Weg führte uns durch ein schönes Waldgebiet und ließ erkennen, dass wir mit jedem Tritt höher kamen. Am Himmel war es deutlich klarer geworden, und so konnten wir am Verwallsee ein kleines Päuschen mit Müsliriegel einlegen.

Unser Tagesziel, die Hütte Bodenalpe, oberhalb von Ischgl, war noch eine Ewigkeit weit weg. Wir aber waren guter Hoffnung und tauchten über eine breite Schotterpiste weiter in die Gebirgswelt ein. Dirk und ich fuhren voraus und warteten an der Konstanzer Hütte, wo wir uns sammelten und eine kleine Brotpause einlegten. Große Pause wollten wir hier keine einlegen, es war schon kurz vor 14 Uhr, und an der Heilbronner Hütte würden wir uns wieder mit einer warmen Mahlzeit stärken. Also nichts wie hin.

Empfang bei der Konstanzer Hütte
auf dem Weg zur Konstanzer Hütte
die Bäume werden weniger
beim Aufstieg zur Konstanzer Hütte
beim
Aufstieg
zur
Schönverwall
Hütte

Leichter gesagt als getan. Von der Konstanzer Hütte ging es über Schotter weiter bis zur Schönverwall-Hütte (nicht bewirtschaftet). Die Wolken lagen tief, und man konnte die Bergspitzen nicht wirklich sehen.

Trail fahrbar?
auf der Brücke
Schönverwall Hütte
f. Techniker
ein Stückchen noch
weiter geht's
gleich oben
geschafft!
ab zur Heilbronner

Ab der Schönverwall Hütte ging es weiter über einen Trail, der laut Roadbook vom Albrecht Fahrbar sein sollte. Das aber erwies sich als sehr schwierig. Der Regen hatte hier deutlich Spuren hinterlassen; ein riesengroßes Matschfeld mit Steinen, Felsen und tiefen Pfützen lag vor uns.

Ich versuchte immer wieder ein Stück zu fahren. Und versuchte dabei keine nassen Füße zu bekommen, Das machte Spaß, aber Unsicherheit brachte mich immer wieder zum Absteigen. Wir gelangten an eine Bachbrücke, und ab da ging gar nichts mehr. Nur noch schieben, tragen, klettern, von der Brücke aus, ca. 100 Höhenmeter, eine gute halbe Stunde lang.

Kurz nach 16 Uhr waren wir eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. Außer Kühe, Schlamm und Felsen gab es hier nichts. Sogar die Bäume waren auf einmal weg. Vor lauter Anstrengung hatten wir gar nicht den Übergang ins Hochalpine mitbekommen, das musste schon weit vor der Schönverwall Hütte gewesen sein.

Das Plateau lag auf ca. 2.162 m.ü.N.N., zwar knifflig, aber ab hier ließ sich der Trail auch teils wieder fahren. Zumindest habe ich das versucht. In der Ferne war auch schon die Heilbronner Hütte auf 2.320 m.ü.M zu erkennen, zu deren Füßen die Scheidseen lagen.

Hier sammelten wir uns wieder und beschlossen spontan dass die Heilbronner Hütte das Ende unserer heutigen Etappe werden würde. 50 km und 1690 hm von 78 km und 2240 hm geschafft, der Gardasee liegt noch sehr sehr weit in der Ferne, wie sollen wir das nur schaffen? Um im Zeitplan zu bleiben, müssten wir morgen 96 km und 2546 hm abstrampeln, unvorstellbar… Nun wird sich erst mal in der neuen Heilbronner Hütte vom DAV gewärmt und gestärkt.

die Heilbronner Hütte zum Greifen nah
hier ist heute Endstation
kalt wirds heut Nacht auch noch
Ausblick auf die Scheidseen
Traumabfahrt für den nächsten Tag
Nebel des Grauens?...
ist uns egal ..
Saft, Suppe ...
meine Bergsteigermahlzeit

Während sich draußen ein dichter Nebel über das Verbellner Winterjöchl legte, ließen wir es uns drinnen gut gehen. Dank der DAV Mitgliedschaft, die wir vor Reiseantritt noch abgeschlossen hatten, bekamen wir hier vergünstigt ein Zimmer (11 EUR pro Nase) und auch vergünstigte Mahlzeiten (Bergsteigermenü).

Beim Essen bequatschten wir unsere Lage, die nicht wirklich gut aussah: Dirk bekam kurz nach der Schönverwall-Hütte stechende Schmerzen im Fuß, welche ihm den Aufstieg zum Plateau zur Qual machten. Andreas und Michael hatten während des Tages mit den stärkeren Steigungen zu kämpfen, und es wurde viel geschoben. Das kostete extra Kraft und Zeit und machte keinen Spaß, schließlich will keiner sein Bike über die Alpen schieben. Für den nächsten Tag beschlossen wir einen unserer beiden Puffertage zu verwenden, wir setzten uns als Ziel die Hütte Bodenalpe oberhalb von Ischgl. So könnten wir uns etwas erholen und auch abwarten, wie sich die Schmerzen in Dirk’s Fuß entwickelten. 

Nach dem Essen starteten wir noch eine größere Waschaktion. Die Heilbronner Hütte hat einen Heizungsraum, von dem wir uns erhofften, dass er unsere Kleidung bis zum Morgen trocknen würde. So ganz trocken wurden diese allerdings nicht, aber wir hatten ja auch noch Ersatzklamotten dabei. Das Schlafen gestaltete sich für mich etwas schwierig. Schnarchen aus allen Ecken des eigenen Zimmers, laute Unterhaltungen (noch um 23 Uhr) vom Zimmer nebenan, Gepoltere aus dem Zimmer über uns, ich fand kein Schlaf. Lag es an der Geräusch-Kulisse?,  dem vielen Essen oder den Gedanken, wie der Alpencross enden würde?

Ich wälzte mich hin und her, trotz Hüttenschlafsack merkte ich deutlich, dass die Decke kratzte, gegen halb eins schlich ich mich dann aus der Hütte, um eine zu rauchen. Im Haus war es ruhig und dunkel, nur friedliches Schnarchen klang aus den Zimmern. Auch draußen war es dunkel und ruhig, in der Ferne hörte man die Glocken einiger Kühe, es nieselte und das Thermometer zeigte 4 Grad an. Viel zu kalt um hier um zu stehen. Ich schlich mich wieder auf das Zimmer und fand dann auch bald den Schlaf. Zum Leidwesen der anderen, denn nun fing ich lautstark an zu schnarchen ;-)

unser Zimmer
Geisterkühe?
Nebel, Nebel, Nebel ...